[Rezension] Dreimal Liebe

14. Juni 2018 | 22:58 | Gelesen

Titel: Dreimal Liebe
Autorin: Carina Bartsch
Originaltitel: Dreimal Liebe
Erstveröffentlichung: 2013
Übersetzer: Originalsprache


Wissenswertes

Dreimal Liebe ist eine Kurzgeschichtensammlung der deutschen Autorin Carina Bartsch, die durch ihre beiden zunächst selbstverlegten Bücher Kirschroter Sommer und Türkisgrüner Winter, die dann später noch einmal bei Rowohlt als Taschenbuch erschienen sind, große Bekanntheit erlangte.

Im Sommer letzten Jahres ist mit Nachtblumen zudem endlich ein neuer Roman der Autorin veröffentlicht worden. Das Taschenbuch ist wieder bei Rowohlt erschienen, das dazugehörige eBook verlegte sie in ihrem selbst gegründeten Schandtaten Verlag.

Inhalt

Drei Geschichten, ein zentrales Thema: Die Liebe. Die Liebe eines jungen Mädchens, das einen Blinden Farben fühlen lässt. Die Liebe eines Mannes zu seiner todkranken Frau, der sie nicht verlieren und zugleich ihren letzten Wunsch erfüllen möchte. Die Liebe eines obdachlosen Jungen, der eine Ausreißerin dazu bewegen will nach Hause zurückzukehren, um ihr das harte Leben auf der Straße zu ersparen …

Kritik

Dreimal Liebe enthält drei abwechslungsreiche und lesenswerte Geschichten, in denen Carina Bartsch sich mit verschiedenen, wichtigen Themen auseinandersetzt, darunter Blindheit, Krankheit, Armut und Obdachlosigkeit. Es sind drei einzigartige, faszinierende und außergewöhnliche Geschichte, die unterschiedlicher kaum sein könnten, sowohl im Hinblick auf den Schreibstil als auch bezüglich der Handlung. Geschichten, die auf Grund der Kürze zwar schnell gelesen sind, aber dennoch Tiefgang aufweisen.

In Wenn man Farben schmecken könnte geht es um die zarte, glaubwürdige Liebesgeschichte zwischen Anna und dem blinden Tobias, die sich eigentlich gegenseitig sehr interessant finden, allerdings lange brauchen, um einen ersten Schritt in Richtung Freundschaft zu wagen. Als sie nach einem ungewollten Zusammenstoß schließlich mehr Zeit miteinander verbringen und sich allmählich besser kennenlernen, entwickeln sie langsam intensivere Gefühle füreinander. Sie ergänzen einander gut und beeinflussen sich positiv. Vor allem bringt Anna Licht in Tobias‘ dunkle Welt, sorgt dafür, dass er wieder offener wird, und bringt ihn zum Lächeln.

Geschildert wird die Geschichte von einem auktorialen Erzähler, der aber leider eine gewisse Distanz zwischen dem Leser und den einzelnen Figuren erzeugt. Da die Perspektive demzufolge jedoch nicht auf eine bestimmte Figur beschränkt ist, weiß man zumindest, was jeder von ihnen wirklich fühlt und denkt, insbesondere in Bezug auf den jeweils anderen.

Kein greifbarer Gegner handelt von Jan und Sonja, deren Liebe auf eine harte Probe gestellt wird als Sonja an Krebs erkrankt und der unausweichliche Abschied voneinander schließlich nur noch eine Frage der Zeit ist. Sie ist deutlich kürzer als die erste, dafür allerdings auch wesentlich trauriger. Dank des Ich-Erzählers kann man sich sehr gut in Jan hineinversetzen, was einen die Geschichte gleich viel intensiver erleben lässt.

Man fühlt seinen Schmerz über das, was der Krebs mit seiner Frau macht und die Angst vor dem drohenden Verlust seiner geliebten Frau und Mutter ihres gemeinsamen Kindes. Doch Jan muss die schwere Entscheidung treffen, was ihm wichtiger ist: Sonja so lange wie möglich bei sich zu behalten oder ihren Wunsch zu respektieren und sie gehen zu lassen, solange sie nicht im Koma liegt und sich noch von ihren Liebsten verabschieden kann.

Außerdem ist es toll, wie Jan sich und seinen Lebenswandel rückblickend beschreibt; wie die Begegnung mit seiner zukünftigen Frau seine Sichtweise verändert hat. Aus einem Mann mit Bindungsängsten wurde ein liebender Ehemann, der sich plötzlich sogar Nachwuchs wünschte und eine Familie gründen wollte, um ihr Glück zu vervollkommnen. Und obwohl er nun so großes Leid erfährt, würde er nicht mit seinem alten Leben tauschen wollen.

Die vergessenen Kinder von Brooklyn, die längste der drei Geschichte, die etwa die Hälfte des Buches umfasst, handelt von obdachlosen Kindern bzw. Jugendlichen in New York City. Carina Bartsch schildert darin das harte Leben auf der Straße, das noch wesentlich schlimmer ist als gewöhnliche Menschen sich das vermutlich überhaupt vorstellen können, vor allem im Winter. Sie wirft ein anderes Licht auf die schillernde Stadt, die ebenso ihre Schattenseiten hat. Was den Figuren widerfährt, geht einem ganz schön an die Nieren, denn kein Kind sollte so leben müssen. Sie alle haben regelmäßige warme Mahlzeiten und ein trockenes Bett verdient. Verhältnisse, die man meistens gar nicht mehr richtig zu schätzen weiß, weil sie längst selbstverständlich geworden sind.

Man erfährt leider nicht allzu viel über Joel, den Protagonisten und personalen Erzähler, und auch der Grund für seine Obdachlosigkeit wird lediglich angedeutet. Im Gegensatz zu der jungen Ausreißerin, die kürzlich zu seiner kleinen Gruppe gestoßen und ihm anfangs ein Dorn im Auge ist, haben er und seine Freunde aber offenbar nicht die Möglichkeit nach Hause zurückzukehren. Nachdem sich die beiden etwas näher gekommen sind, macht er ihr daher klar, dass sie auf die Chance auf ein angenehmes Leben, auf eine gesicherte Zukunft, nicht leichtfertig verzichten sollte.

Im Anschluss an die drei Geschichten folgt darüber hinaus noch ein sehr interessantes Nachwort der Autorin, in dem sie kurz erläutert, was sie zu den jeweiligen Geschichten inspiriert hat.

Fazit

Dreimal Liebe hält, was der Titel verspricht, und bietet drei unterschiedliche, abwechslungsreiche Liebesgeschichten, die zwar schnell gelesen, jedoch trotzdem nicht zu oberflächlich sind. Wer einmal etwas Anderes lesen möchte, ist hier also gut aufgehoben.





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