Mai  01

[Convention] LoveLetter Convention 2018

01. Mai 2019 | 18:20 | Erlebt

Am 12. und 13. Mai 2018 habe ich zum inzwischen vierten Mal die jährlich stattfindende LoveLetter Convention in Berlin besucht, die zusammen mit der Leipziger Buchmesse mittlerweile zu meiner liebsten buchigen Veranstaltung eines jeden Jahres gehört.

Der Samstag begann für mich mit dem Round Table zum Thema Liebe auf den ersten Blick!?, moderiert von Kim Nina Ocker. In einem Punkt waren sich alle anwesenden Autorinnen einig: Sie bevorzugen es, wenn sich die Liebe zwischen den Charakteren langsam entwickelt, gern auch mit anfänglicher Hass-Liebe. Laura Kneidl liebt außerdem „Verarztungsszenen“, die könne man übrigens auch gut in Fantasy-Romane integrieren.

Danach ging es für mich weiter zur Verlagspräsentation von LYX. Diese fing mit einem Rückblick auf das vergangene Jahr sowie einem großen Dank an alle Leser und deren wertvolles Feedback an, bevor die Mitarbeiter uns die Highlights aus dem kommenden Programm vorstellten. Drei Titel haben es sofort auf meine Wunschliste geschafft: Trust von Kylie Scott, All in von Emma Scott und Wild Hearts von T.M. Frazier. Darüber hinaus verrieten die Mitarbeiterinnen, dass es im Frühjahr 2019 auch eine neue New Adult Reihe von Bianca Iosivoni geben wird.

Um 11:00 Uhr besuchte ich den Workshop Vom Lektor zum Leser: Wie kommt das Buch in die Buchhandlung?. Obwohl ich in der Vergangenheit mehrere Praktika in Verlagen absolviert und eine Zeit lang im Buchhandel gearbeitet habe, war dieser Einblick auch für mich sehr interessant. Nachdem der Lektor ein Buch gelesen und für gut befunden hat, stellt er es zunächst seinem Team vor, macht dann dem Autor/Agent/Originalverlag ein Angebot und plant ihn zeitlich ein. Nach diesem Schritt wird der Titel im größeren Rahmen vorgestellt, bei der internen Programmpräsentation sowie der Vertretertagung. Zum Schluss beginnt die konkrete Vorbereitung, d.h. der Titel muss in die Vorschau, auf die Website, in die diversen Shops und das Verzeichnis lieferbarer Bücher (VLB). Aufgrund der Masse an monatlichen Neuerscheinungen müssen die Buchhandlungen natürlich eine Auswahl treffen und entscheiden, welche Titel sie auf den Tischen und in den Regalen direkt in den Filialen anbieten. LYX macht es von diesen Vorbestellungen abhängig, ob ein Titel am Ende tatsächlich erscheint, denn bei unter 3.000 Bestellungen lohnt es sich für sie in der Regel nicht das Buch zu drucken. Dieser gesamte Prozess, vom Lesen des Manuskripts bis zum fertigen Buch im Laden, dauert bei LYX ungefähr 1,5 Jahre.

Anschließend machte ich mich auf den Weg zu dem Round Table Autoren: Wer sie sind und wie sie ticken mit Sarina Bowen, Lea Coplin, Bianca Iosivoni, Nicole Leclercq und Annie West. Letztere schreibe, weil sie selbst gern Liebesromane lese – und um sich vor der Hausarbeit zu drücken. Für Sarina Bowen sei man als Autor jemand, der die Welt beobachte und genau darüber schreibe sie dann. Bianca Iosivoni beschrieb Autoren als Menschen, die viel Kaffee bräuchten und etliche Stimmen im Kopf hätten. Für Nicole Leclercq sei es manchmal schwierig sich selbst Autorin zu nennen, da sie nicht vom Schreiben leben könne und daher einen anderen Vollzeitjob habe. Sarina Bowen fühle sich gelegentlich wie eine Hochstaplerin, obwohl sie ihr Geld allein mit dem Schreiben verdiene, weil sie immer fürchte, dass das nächste Buch dafür nicht mehr erfolgreich genug sein werde.

Annie West nahm sich zum ersten Mal als Autorin wahr, als sie eine Zusage von einem Verlag erhalten habe. Dieser Teil gehöre natürlich ebenfalls zum Job, sei aber nicht immer leicht. Eine der besten Sachen sei es von Lesern zu hören, dass sie ein Buch geliebt hätten, ebenso wie auf einer solchen Convention Zeit mit Menschen zu verbringen bzw. sich mit Menschen zu unterhalten, die das eigene Buch gelesen hätten. Für Nicole Leclercq sei es das schönste am Autoren-Dasein, wenn sie von einer völlig fremden Person eine Mail mit der Frage bekomme, wann ihr nächstes Buch erscheine.

In zeitlicher Hinsicht schreibe Nicole Leclercq am liebsten nach Mitternacht, wenn es nichts gebe, dass sie ablenken könne. Lea Coplin setze sich hingegen ein Tagesziel an Wörtern, das sie erreichen wolle, egal wie viele Stunden es dauere. Sarina Bowen belohne sich selbst jedes Mal mit einem kleinen Sticker oder Ähnlichem, wenn sie 1.000 Wörter geschrieben habe. Bianca Iosivoni schreibe vor allem morgens, bevor sie andere Dinge erledigen müsse oder abgelenkt werde.

Der erste Band der Sturmtochter Trilogie habe bisher am meisten Zeit in Anspruch genommen. Es sei ihre erste Idee gewesen, die sie allerdings nie beendet habe, bis sie vor ein paar Jahren erneut anfing daran zu arbeiten. Sie habe es daher komplett neu geschrieben, sodass sie für das Buch insgesamt etwa sechs Jahre gebraucht habe. Sarina Bowen habe die ersten drei Bände der True North Reihe in umgekehrter Reihenfolge geschrieben. Der zweite und dritte Band hätten sich nicht gut als Auftakt geeignet, darüber habe sie sich vorher aber keine Gedanken gemacht bzw. keinen Plan für die gesamt Reihe gehabt. Lea Coplin habe für ihr erstes Buch am längsten gebraucht, weil sie damals nebenbei noch Vollzeit gearbeitet habe.

Bianca Iosivoni gab zudem zu, dass in jedem Buch auch ein kleiner Teil des Autors stecke, selbst wenn die Geschichten als solche von fiktiven Charakteren handele, nicht von den Autoren. Das Gute sei aber, dass der Leser niemals wisse, welcher Teil das sei. Abschließend gestanden Bianca Iosivoni und Sarina Bowen, dass sie eines Tages gern einen Thriller schreiben würden.

Nach der einstündigen Mittagspause nahm ich dann an den englischsprachigen Blind Dates teil, was zu kurzen Gesprächen mit Amanda Bouchet, Nicole Leclercq, Brenda Hart und Susan Carlisle führte.

Darauf folgte die Verlagspräsentation von Ravensburger, die im kommenden Programm viele Titel veröffentlichen, die in Großbritannien spielen. Eines der präsentierten Highlights war natürlich Sturmtochter von Bianca Iosivoni, die daraufhin einige der realen Schauplätze aus Schottland vorstellte, die sie auf ihrer Recherchereise selbst besucht habe. Danach richtete der Verlag eine Live-Schaltung zu Elly Blake nach Kanada ein, damit die Autorin uns etwas über die Fortsetzung zu Fire & Frost erzählen konnte. Die Idee zu der Reihe sei ihr im Traum gekommen und die deutschen Cover seien ihre Favoriten. Aktuell arbeite sie noch am dritten Band, was danach komme, wisse sie jetzt noch nicht.

Im Anschluss an die halbstündige Lesung aus Verliere mich. Nicht. von Laura Kneidl, die dafür eine ihrer bevorzugten „Verarztungsszenen“ ausgewählt hatte, ließ ich den Tag mit einem der Spiele ausklingen, die ich wirklich nur empfehlen kann. Das vom LYX Verlag veranstaltete Klappentext-Bingo war extrem lustig und natürlich gab es auch einige tolle Preise zu gewinnen. Unsere Gruppe durfte zusammen mit Kim Nina Ocker spielen, die ihren Gewinn am Ende einer anderen Besucherin schenkte, damit sie nicht als einzige aus unserer Gruppe ohne Preis nach Hause gehen musste, was ich sehr nett von ihr fand. Einen unschönen Beigeschmack hinterließ es für mich aber irgendwie, dass ausgerechnet der Hauptgewinn an die Mitarbeiterin eines anderen Verlages ging, die aus beruflichen Gründen anwesend war.

Am Sonntag besuchte ich zuerst das Panel Vorfreude – Die Highlights für 2018/2019, eine gemeinsame Veranstaltung der Verlage Montlake Romance, LYX, be, dtv und Thienemann, die mit einer kurzen Zusammenfassung begann, wie ein Programm entsteht, wie die Bücher ausgewählt werden und wie viel Vorlauf es braucht, etc. Danach präsentierten die Verlage nacheinander verschiedene Highlights. Bei LYX sind mir Someone New von Laura Kneidl sowie Die letzte Königin von Emily R. King in Erinnerung geblieben, Thienemann machte mich neugierig auf Für immer und einen Herzschlag von Tamsin Murray und Das Ende ist erst der Anfang von Chandler Baker und dtv ließ Die Tausend Teile meines Herzens und Too Late, beide von Colleen Hoover, auf meine Wunschliste wandern.

Um 10:00 Uhr ging es für mich dann mit dem wunderbaren Workshop Ein Plan für die Liebe: So entsteht das LYX Programm von Ruza Kelava, der Programmleiterin des Verlages, weiter. Bei der Planung der nächsten Programme schaue sie zuerst, was im vorangegangenen Halbjahr gut gelaufen sei und wozu es Fortsetzungen gebe, die gegebenenfalls eingetaktet werden müssten. Außerdem achte sie auf eine ausgewogene Mischung in den jeweiligen Programmen, in denen zum Beispiel auch neue Titel bzw. Autoren nicht fehlen dürften. Im Mai 2018 sei man im Verlag gerade mit der Planung für das Frühjahr 2019 beschäftigt.

Verschoben werden würden Titel beispielsweise dann, wenn sich die Abgabe des Manuskripts aus verschiedenen Gründen verzögere. Das neue Datum müsse dann auch den diversen Shops gemeldet werden. Zurückgezogen werden würde ein Titel, wenn er im Buchhandel nicht genug Anklang finde. In der Regel würde man dann später einen zweiten Versuch mit einem neuen Design wagen. Ins reine eBook-Programm kämen die Titel, für die im Print-Programm nicht genug Platz sei. Ersteres sei flexibler, sodass man einen Titel auch kurzfristiger ins Programm nehmen könne. Abhängig sei dies von den Verkaufschancen bzw. der diesbezüglichen Prognose. Besonders erfolgversprechende Titel kämen ins Print-Programm, alle anderen bekämen eine Chance im eBook-Imprint. Es gebe sogar Titel, die aus Erfahrung fast ausschließlich als eBooks gelesen würden. Manchmal werde das Print-Exemplar auch nachgeschoben, wenn das Interesse am eBook entsprechend groß wäre, bei From Scratch sei das aber leider nicht der Fall gewesen.

Das Marketing orientiere sich an den Spitzen- sowie Schwerpunkttiteln und werde in Absprache mit der Abteilung ausgearbeitet. Serien könnten nur solange fortgesetzt werden, wie sich ausreichend Leser dafür finden ließen, denn ein Verlag müsse natürlich auch wirtschaftlich denken und wenigstens kostendeckend arbeiten. Special Editions werde es sicher noch einmal geben, jedoch nicht regelmäßig, damit sie auch etwas Besonderes bleiben. Hardcover gebe es so selten, weil die meisten Leser nicht so viel Geld dafür ausgeben wollten. Der Verlag achte grundsätzlich durchaus auf zusammenpassende Buchrücken, doch manchmal würden auch sie etwas übersehen und ihnen dadurch Fehler unterlaufen.

Hinsichtlich des Erscheinens der Bücher gebe es einen monatlichen Rhythmus, das konkrete Datum werde vom Vertrieb anhand der Auslieferungsdaten festgelegt. Strenge Erstverkaufstage werden vom Verlag festgelegt, in der Regel verzichte man wegen des hohen Aufwandes jedoch darauf. Die Lieferung von der Verlagsseite an die Händler erfolge meist früher, weil jeder Shop einen anderen Ablauf habe. Einige Händler würden sich darüber aufregen, wenn andere Händler das Buch eher erhalten oder verkaufen, manche regen sich dagegen auf, wenn das eBook vor der gedruckten Version erscheine.

Als „Schnellschuss“ werden kurzfristige Projekte bezeichnet, wie zum Beispiel das Bullet Journal Save the Memories. Die Idee zur Special Edition von Someone New sei ebenfalls so kurzfristig entstanden, dass es das Hardcover nicht mehr in die Vorschau geschafft habe. Mit der Vorschau sei der Verlag in der Regel drei Monate beschäftigt.

Als nächstes begab ich mich zur Verlagsrunde für Blogger, die ich in diesem Jahr ehrlicherweise ziemlich enttäuschend fand. Dass man dem Verlag nach der Rezension einen Beleglink zukommen lassen sollte, dürfte inzwischen wohl jedem bekannt sein. Ansonsten drehte sich das Gespräch die meiste Zeit um die DSGVO, was an sich noch okay gewesen wäre, doch leider waren einige der Informationen, die manche Verlagsmitarbeiter weitergaben, schlicht falsch und damit kein bisschen hilfreich, im Gegenteil.

Die letzte Veranstaltung vor der Mittagspause, nach der meine Freunde und ich uns auf die anschließende Signierstunde vorbereiteten, war für mich das Panel Klartext – Sexismus, Rassismus und Gewalt im Liebesroman. Aus meiner Sicht handelte es sich dabei vielleicht sogar um das beste Panel dieses Wochenendes, dabei kamen die Autorinnen im Endeffekt gar nicht dazu alle Themen zu diskutieren. Auch hier waren sich alle Teilnehmer einig, wenn Sexismus oder sexuelle Belästigung vorkämen, müsste dieses Verhalten zumindest mit Konsequenzen verbunden werden. Diese Themen dürften nicht verherrlicht werden oder als bloße Plot-Twists dienen. Wenn Einvernehmlichkeit bestehe, müsse das deutlich zum Ausdruck gebracht werden. Des Weiteren müsse man immer auf die Zielgruppe achten, für die das Buch gedacht sei. Als Autor trage man die Verantwortung dafür kein völlig falsches Bild von Beziehungen zu vermitteln, wobei man hier selbstverständlich auch auf den Kontext achten müsse.

Am Nachmittag folgte dann noch die große Signierstunde mit fast allen anwesenden Autoren. Aus der Vergangenheit habe ich jedoch gelernt, dass es einfacher ist bzw. schneller geht, sich die meisten Bücher bereits am Vortag zwischen den Veranstaltungen oder in der Mittagspause signieren zu lassen. Darüber hinaus kann man sich leider nicht darauf verlassen, dass alle Autoren die gesamten zwei Stunden an den Tischen sitzen bleiben, manche gehen einfach, sobald es keine Bücher mehr gibt, was ich immer sehr schade finde. Von Seiten des Veranstalters wird die Signierstunde aber immer sehr gut organisiert, da kann man sich gar nicht beklagen. Traurigerweise könnten sie wahrscheinlich selbst mit noch mehr Personal nicht vollständig verhindern, dass bestimmte Teilnehmer sich einfach dreist vordrängeln. Davon lasse ich mir diese wunderbare Convention jedoch nicht vermiesen.

Dieses Jahr findet die Veranstaltung am ersten Juniwochenende, wie immer in Berlin, statt und ich habe mein Ticket natürlich schon längst gekauft.

Jun  01

[Event] Silber

01. Juni 2018 | 10:50 | Erlebt

Am 26. September 2015 hatte ich das Glück am wundervollen Silber-Event in Berlin zum Erscheinen des dritten Bandes der Trilogie von Kerstin Gier teilnehmen zu dürfen und die einzigartige Veranstaltung hat auf jeden Fall einen bleibenden Eindruck bei mir hinterlassen, denn der Verlag hatte sich wirklich ausgesprochen viel Mühe gegeben.

Das Event fand in der perfekten Location dafür statt: in einer Schule mit vielen Türen und Korridoren. Zur Begrüßung erhielt man eine Schlafmaske mit dem eigenen Namen darauf, mit der man sich dann in einen großen Saal begab, in dem neben Snacks und Getränken zahlreiche gemütliche Sitzkissen auf die Teilnehmer warteten. Nachdem sich alle dort eingefunden hatten, versuchte die Hörbuchsprecherin Simona Pahl uns in den Schlaf zu lesen, was allerdings nicht klappte. Deshalb mussten wir die „Traumwelt“ gemeinsam durch Meditation betreten.

Anschließend hatten wir eineinhalb Stunden Zeit, um auf den Korridoren fünf verschiedene Träume zu erkunden, nämlich die von Lottie, Henry, seiner kleinen Schwester, der Blutgräfin sowie Grayson. Außerdem konnten wir die Gelegenheit nutzen, um nach unserer eigenen, im Vorfeld gestalteten Traumtür zu suchen, die als Poster an den Wänden hingen und die wir später mitnehmen durften, sodass meine nun in meinem Zimmer hängt. Darüber hinaus konnte man mit etwas Geduld eine kleine, persönliche Zeichnung der Illustratorin Eva Schöffmann-Davidov ergattern.

Mit Lottie konnte man Plätzchen, genauer gesagt Vanillekipferl, backen – und natürlich essen. Henrys kleine Schwester fand man im Zuckerwunderland. Im Traum der Blutgräfin begegnete man Kerstin Gier höchstselbst als Traumdeuterin. In Henrys Dunkelkammer Traum wurden Friedhofsängste geschürt und zusammen mit Grayson musste man an der schrecklichsten mündlichen Prüfung der Welt teilnehmen – in meinem Fall drei Tage vor meiner eigenen mündlichen Examensprüfung!

Glücklicherweise war die Zeit großzügig bemessen, sodass man die wirklich gelungenen Träume, die mit Sicherheit einen gewissen Aufwand erfordert haben, in aller Ruhe aufsuchen konnte, selbst wenn man manchmal kurz anstehen musste, weil maximal sechs Träumer gleichzeitig Einlass in denselben Traum erhielten. Am Ende blieb sogar noch genug Zeit, um die Snacks zu kosten und sich wieder einen bequemen Platz zu suchen, ehe schließlich die eigentliche Lesung mit der Autorin begann.

Unter großen Applaus wurde Kerstin Gier, die wie schon geschrieben, zuvor in einem Raum Träume gedeutet hat, im Traumkorridor aber wohl nicht von allen erkannt wurde, im Saal begrüßt und war charmant und witzig wie immer. Sie bewunderte zunächst die wunderschöne Gestaltung des Buches und las dann zwei Szenen aus Silber – Das dritte Buch der Träume vor, die beide von Grayson (und Liv) handelten, wobei sie die Auszüge beim Lesen wieder herrlich kommentierte. Zwischendurch beantwortete sie ein paar Fragen des Moderators sowie solche aus dem Publikum und erzählte unter anderem von ihrem Alltag als Autorin.

Ihre Bücher schreibe sie meistens am Stück, das heißt sie schreibe mitunter ein halbes Jahr lang und tue in der Zeit nichts Anderes, also ganz oder gar nicht. Erst, wenn sie fertig sei, lebe sie wieder richtig. Ihr Sohn und ihr Mann könnten zum Glück selbst kochen und würden in dieser Zeit nicht nur sich selbst verpflegen, sondern sie gleich mit. Sie habe „nur“ einen Sohn, der gerade sechzehn sei und dem sie ihre Bücher mittlerweile nicht mehr als Gute-Nacht-Geschichte vorlesen könne.

Die Kunst des Schreibens sei es eine Geschichte auch tatsächlich zu Ende zu schreiben sowie das zu schreiben, was man selbst am liebsten lesen würde. Manche Ideen kämen einfach beim Schreiben, andere müsse sie sich gelegentlich aufschreiben. Grundsätzlich fange sie erst an zu schreiben, wenn sie die Geschichte vollständig geplant habe, also einschließlich des Schlusses. Einzelne Details könnten sich während des Schreibens allerdings immer noch ändern. Ihre Übersetzer wähle sie natürlich nicht selbst aus, dennoch pflege sie einen guten Kontakt zu den französischen und polnischen Übersetzerinnen.

Sie habe schon wieder etwas Neues für Jugendliche geplant, das mystisch und lustig zugleich sei. Es mache ihr mehr Spaß für Jugendliche zu schreiben, weil diese verspielter denken und sich eher auf solche Gedankenexperimente einlassen würden. Silber bleibe aber auf jeden Fall eine Trilogie, einen vierten Band werde es demnach nicht geben. Außerdem sei die Trilogie im Grunde gar keine Fantasy, sondern ausgedehnte Psychologie. Mit ihrem nächsten Frauenroman lasse sie sich noch etwas Zeit, vielleicht bis die Mütter-Mafia in Vergessenheit geraten sei.

Die Charaktere würden sich manchmal langsam in ihrem Kopf entwickeln, oftmals seien sie aber einfach da, ohne dass sie lange darüber nachdenken müsse. Sie würde durchaus durch ihre Umwelt beeinflusst, würde jedoch keine Menschen, die sie kenne, bewusst in ihre Bücher integrieren. Die Namen habe sie aus einer Liste mit den beliebtesten Namen in England ausgewählt. „Bocker“ sei ein bewusstes Wortspiel; trüge sie am liebsten rot, wäre ihr Spitzname „Brot“.

Vor allem Mia werde ihr noch lange in Erinnerung bleiben, genauso wie Xemerius aus der Edelstein-Trilogie. Die Verfilmungen der Edelstein-Trilogie würde sie übrigens mögen, obgleich sich die Handlung von den Büchern etwas entfernt habe. Die Filmrechte an Silber seien ebenfalls vergeben, die Mühlen würden aber nur sehr langsam mahlen, weshalb sie erst mehr verraten wolle, wenn es etwas Konkreteres gäbe.

Die Idee mit Secrecy habe sie umgesetzt, weil zusätzlich zu der von Liv noch eine weitere Perspektive wollte. Die Identität von Secrecy werde im Finale enthüllt. Wie es mit Liv und Henry weitergeht, verrate sie noch nicht, auch die Antwort auf diese Frage finde man aber natürlich im Buch.

Sie selbst sei eine Romantikerin, freue sich sehr auf den neuen Roman von Jonathan Stroud und habe ein bisschen mit allen Charakteren gemeinsam, insbesondere Ernest, Lottie, Florence und Livs Mutter. Ihre Traumtür sehe jeden Tag anders aus und sie träume meistens etwas Doofes, zumindest könne sie sich nur an solche Träume erinnern. Ihre Lieblingsträume aus der Reihe befänden sich alle im dritten Band. Der erste sei der im Flugzeug, der zweite der bei Mrs Honeycutt und der dritte ein Geheimnis.

Ehe die Orgel ertönte und das Ende der Lesung einleitete, betonte sie schließlich noch, wie viel Spaß ihr das heutige Event gemacht habe und dass sie auch die dazugehörige Website mit den Traumkorridoren sehr möge.

Es blieb dann noch etwa eine Stunde Zeit, um gegebenenfalls die restlichen Korridore bzw. Träume zu erkunden und sich ein Buch von Kerstin Gier signieren zu lassen. Schade war nur, dass die spannende Lesung schon kurz vor dem Erscheinungstermin stattfand und man daher keine Möglichkeit hatte den dritten Band vorher zu erwerben und signieren zu lassen. Dennoch war es ein wirklich unvergesslicher Abend und zum Abschied erhielt jeder am Ausgang noch eine wundervolle Geschenktüte, in der sich ein Traumtagebuch, der erste Band als Hörbuch, drei kleine Schlüssel sowie eine kleine Pillendose mit der auf dem Cover abgebildete Eidechse befanden.

Die Lesung wurde damals übrigens als Live-Stream übertragen und das Video ist noch immer auf Youtube verfügbar.

Apr  20

[Messe] Leipziger Buchmesse 2018

20. April 2018 | 13:10 | Erlebt

Wie jedes Jahr – zumindest innerhalb des letzten Jahrzehnts, wenn ich das richtig in Erinnerung habe – habe ich auch in diesem Jahr natürlich die Leipziger Buchmesse besucht, dieses Mal sogar wieder an allen vier Tagen. Dabei habe ich ein paar tolle Veranstaltungen besucht sowie einige interessante Neuigkeiten in Erfahrung gebracht, insbesondere über das kommende Herbstprogramm diverser Verlage. Manche Informationen muss ich noch für mich behalten, alles andere steht in diesem Bericht.

Nach einem kurzen Abstecher zu den Ständen der LoveLetter Convention und von Klages Kalender – meinen favorisierten Tischkalender mit Sprüchen muss ich mir jedes Jahr dort kaufen, da man ihn leider nicht im regulären Buchhandel bestellen kann – begann der Donnerstag für mich mit der Verleihung des Leipziger Lesekompass 2018, der in diesem Jahr bereits zum siebten Mal dreißig Kinder- und Jugendbücher in drei Alterskategorien (2-6 Jahre, 6-10 Jahre und 10-14 Jahre) ausgezeichnet hat und all jenen als Orientierungshilfe dienen soll, die sich für Kinder- und Jugendliteratur interessieren. Das Hauptaugenmerk der Auszeichnung liegt auf der Leseförderung, wobei die Zielgruppe in Form einer Jugendjury direkt einbezogen wird.

In diesem Jahr stand das Thema „Mut“ im Fokus und die Auswahl der prämierten Titel war ebenso vielfältig wie die Jury-Mitglieder, von denen eines z.B. in der fantastischen Bibliothek Wetzlar mit phantastischer Literatur auf fünf Etagen tätig ist. Mir ist vor allem ein Titel aus der zweiten Kategorie in Erinnerung geblieben: „Der bleiche Hannes“, ein Graphic Novel mit einer abenteuerlichen, aber nicht gruseligen, Geistergeschichte, den ich mir vielleicht einmal näher ansehen werde. Mehr Informationen sowie alle ausgezeichneten Titel findet ihr hier.

Im Anschluss besuchte ich die Lesung von Akram El-Bahay aus Die Bibliothek der flüsternden Schatten – Bücherstadt. Die Ausschnitte waren für mich nichts Neues, da ich das Buch bereits gelesen habe, doch ich hatte gehofft, dass der Autor die Veranstaltung vielleicht auch nutzen würde, um ein paar Fragen zu beantworten. Das war leider nicht der Fall, allerdings konnte ich mir zumindest mein Buch nach der Lesung vom Autor signieren lassen.

Ich bin mir nicht mehr ganz sicher, doch ich glaube, dass ich die Zeit bis zu meinem nächsten Termin dann in Halle 1 verbracht habe. Obwohl meine extreme Manga/Anime-Phase schon ein paar Jahre zurückliegt, lese ich noch immer gern Mangas und interessiere mich für bestimmte Aspekte der japanischen Kultur. Daher finde ich es immer wieder spannend mich ein wenig auf der Manga-Comic-Convention umzuschauen und der Donnerstag eignet sich definitiv am besten dazu, weil die Messe an diesem Tag die wenigsten Besucher hat.

Am Nachmittag hatte ich dann einen Termin bei Loewe, wo Carolin Grotjahn mir die Spitzentitel aus dem kommenden Herbstprogramm vorstellte – mit den entsprechenden Covern. Die genauen Titel und Erscheinungsdaten darf ich an dieser Stelle noch nicht nennen, aber ich darf euch verraten, worauf wir uns freuen können: Im Sommer dürfen wir uns zum Beispiel auf neue Romane von Ursula Poznanski, Mechthild Gläser und Stefanie Hasse freuen. Darüber hinaus hat Loewe die Rechte an The Savage Song von V.E. Schwab und Warcross von Marie Lu erworben und wird die Übersetzungen beider Titel bereits in diesem Herbst herausbringen, zusammen mit einem weiteren Buch von Karl Olsberg.

Danach stand das Bloggertreffen bei Fischer auf meinem Terminplan und am Stand stellten Sophie Strauß, Sibylle Bachar und Alexandra Strohmeier einer Gruppe von Bloggern, mich eingeschlossen, die Highlights aus dem kommenden Herbstprogramm vor, darunter unter anderem die folgenden Titel:

Im Juli erscheint mit Prinzessin Undercover – Geheimnisse der erste Band einer Reihe von Youtuberin Connie Glynn alias Noodlerella. Im gleichen Monat erscheint unter dem Titel Undying – Das Vermächtnis zudem der Auftakt einer weiteren gemeinsamen Serie von Amie Kaufman und Meagan Spooner.

Im August erscheint mit Dark Places – Zehn Jahre musst du opfern der Auftakt einer neuen, dystopischen Trilogie von Wattpad-Autorin Vic James. Im gleichen Monat erscheint unter dem Titel Borderland auch ein neuer Roman des deutschen Autors Peter Schwindt. Ebenfalls im August erscheint Cecelia Aherns neues Buch Roar unter dem Titel Frauen, denen Flügel wachsen.

Im Oktober erscheint mit Gefährliche Freundinnen ein neuer Roman von Cat Clarke. Im gleichen Monat dürfen sich Fans von Marieke Nijkamp auf einen weiteren Roman der Autorin freuen: Nur in der Dunkelheit leuchten die Sterne. Außerdem erscheint mit Mortal Engines – Krieg der Städte der erste Teil der Neuauflage/-übersetzung der Steampunk-Tetralogie von Philip Reeve, der kürzlich von Peter Jackson verfilmt wurde und voraussichtlich im Dezember dieses Jahres in die deutschen Kinos kommen soll.

Das größte Highlight hob sich der Verlag bis zum Schluss auf, dabei erscheint es bereits im Juni und zwar mit Originaltitel und Originalcover: Children of Blood and Bone – Goldener Zorn von Tomi Adeyemi.

Höchsterfreut über diese Neuigkeiten machte ich mich dann auf den Weg zum nächsten kleinen Bloggertreffen bei Ravensburger, mit dem mein erster Tag auf der Buchmesse endete. Von den fünf Titeln, die bei dem relativ kurzen Treffen präsentiert wurden, fand ich allerdings nur zwei wirklich interessant: Bad Girls von E. Lockhart und natürlich den ersten Band der Sturmtochter Trilogie von Bianca Iosivoni, die aber leider wieder nur als Taschenbuch erscheint.

Am Freitag ließ ich es dann ein wenig ruhiger angehen und besuchte zunächst die Lesung von Adriana Popescu aus ihrem neuen Roman Mein Sommer auf dem Mond. Ich habe wirklich während der gesamten Lesung schmunzeln müssen und das nicht nur wegen der lustigen Sprüche der Autorin, sodass das Buch spätestens jetzt auf meiner Wunschliste steht.

Im Anschluss begab ich mich an den nur wenige Meter entfernten Stand von Arena zu meinem Termin mit Verena Rehagel, die mir einen Einblick in das kommende Programm gewährte. Neben einem neuen Jugendbuch von Katja Brandis, einer Geschichte, bei dem eine Figur aus einem Film zum Leben erwacht, von Stefanie Gerstenberger sowie Marta Martin, einem gefühlvollen Roman von Claudia Pietschmann und einem neuen Thriller von Mirjam Mous erscheinen auch die Fortsetzungen zu Die Duftapotheke und Die Fabelmacht-Chroniken. Vor allem die nächsten drei Titel konnten jedoch mein Interesse wecken: der Jugendthriller White Maze von June Perry, der sich mit dem Thema „virtuelle Welten“ beschäftigt, Unter Hunden, das Jugendbuchdebut von Martin Krist, welches in Berlin spielt, sowie Ruhm kann tödlich sein, ein Thriller von Lygia Day Peñaflor à la Pretty Little Liars und One Of Us Is Lying.

Mittags machte ich mich auf den Weg in Halle 3 zu einem Mini-Bloggertreffen mit Andrea Wolf beim Gemeinschaftsstand von RandomHouse. Sie präsentierte uns die Highlights von cbt/cbj, die wir ohne Einschränkungen verraten dürfen:

Im August erscheint unter dem Titel Bienenkönigin ein interessanter Thriller von Claudia Praxmayer, in dem die Protagonistin mit Bienen kommunizieren kann. Im September erscheint mit Ash Princess das Fantasy-Debut von Laura Sebastian, das bisher bereits in zwölf Länder verkauft wurde. Im Oktober erscheint u.a. Jetzt ist alles, was wir haben von Amy Giles, ein realistischer Roman über häusliche Gewalt. Fans von Eva Siegmund dürfen sich im Dezember auf einen neuen Roman der Autorin freuen. H.O.M.E. – Das Erwachen soll in der Zukunft in Berlin spielen und Ähnlichkeiten mit Matrix aufweisen. Im Winter soll außerdem ein neues Buch über Elfen von Holly Black erscheinen.

Geplant sind darüber hinaus die Fortsetzungen zu Constellation von Claudia Gray, Rat der Neun von Veronica Roth sowie Timeless von Armand Baltazar. Doch auch hier kommt das Beste zum Schluss: Im Februar 2019 soll On The Come Up, der zweite Roman von Angie Thomas, auf Deutsch erscheinen. Der deutsche Titel steht noch nicht fest, dafür soll das Originalcover wieder übernommen werden.

Danach ging ich zurück in Halle 2 und gesellte mich in die schon jetzt ziemlich lange Schlange für die Signierstunde von Neal Shusterman – und dabei hatte die Lesung noch gar nicht richtig angefangen. Aus Erfahrung wusste ich jedoch, dass es besser war sich so früh wie möglich anzustellen, schließlich wollte ich mein Buch nicht umsonst mitgenommen haben und unsigniert wieder mit nach Hause nehmen. Ich weiß gar nicht mehr, wie lange ich tatsächlich in der Schlange stand, ein bis zwei Stunden werden es vielleicht gewesen sein, aber mit zahlreichen anderen Fans in der gleichen Situation mangelt es einem zum Glück nie an Gesprächsstoff.

Nach einer kurzen Kaffeepause, in meinem Fall mit heißer Schokolade, schlenderte ich ein wenig durch die Halle und begab mich dann zum CCL, wo am Nachmittag das große Bloggertreffen von Oetinger stattfand. Ich war ein wenig zu früh dran und nutze die Zeit bis zum Beginn, um mich ein wenig auszuruhen und mit ein paar anderen Bloggerinnen zu plaudern. Der Verlag stellte uns dann acht z.T. durchaus interessante Titel aus dem kommenden Programm vor, die wir bis zur offiziellen Vorschau allerdings noch geheim halten sollen, und prüfte unser Wissen über die Bücher von Marah Wolf, die ebenfalls anwesend war, anschließend in einem kleinen Quiz. Ich nutze die Gelegenheit außerdem, um mich nach neuen Büchern bzw. den ausstehenden Fortsetzungen von Cornelia Funke zu erkundigen. Einen konkreten Erscheinungstermin gibt es aktuell noch nicht, aber der vierte Band der Reckless Reihe könnte unter Umständen im Herbst 2019 erscheinen. Das ist doch schon einmal etwas.

Nach diesem Bloggertreffen verließ ich die Messe, weil ich am Abend eine Lesung besuchen und mich zwischendurch noch etwas stärken wollte. Eigentlich hatte ich geplant dieser Lesung einen eigenen Beitrag zu widmen, da ich, wie ihr gleich lesen werdet, aber nicht allzu viel zu berichten habe, werde ich das Wichtigste hier kurz zusammenfassen.

Am Freitagabend las Elisabeth Herrmann im Foodkurt Leipzig aus ihrem neuen Jugendbuch Zartbittertod. Die Location war wirklich schön, auch wenn sie nur wenig Platz für Zuhörer bot, die Umgebungsgeräusche (klapperndes Geschirr, Gespräche anderer Gäste) waren allerdings ziemlich laut, weshalb es vielleicht besser gewesen wäre den Raum, in dem die Lesung stattfand, etwas mehr vom restlichen Lokal abzutrennen. Insgesamt war ich von der Veranstaltung aber ohnehin eher enttäuscht, was jedoch nicht an der Location oder den technischen Schwierigkeiten lag, aufgrund derer die Lesung erst knapp zwanzig Minuten später begann als eigentlich geplant. Vielmehr unterschied sich die Lesung leider kaum von den lediglich 30-minütigen Kurzlesungen auf der Messe und hatte nichts mit den deutlich längeren, abendlichen Lesungen gemein, wie ich sie gewohnt bin bzw. war.

Nach einer kurzen Einführung zur Autorin, deren Romane schon vielfach ausgezeichnet wurden und aktuell teilweise wohl auch verfilmt werden, sowie der Information, dass man am Ende der Veranstaltung die Möglichkeit hätte, sich das Buch zu kaufen und/oder signieren zu lassen, begann Elisabeth Herrmann verschiedene, kurze Szenen aus dem Roman zu lesen, wobei sie zwischendurch kurz die Zusammenhänge zwischen den jeweiligen Ausschnitten erläuterte. Sie hatte eine angenehme Stimme und wirkte durchaus sympathisch. Schon durch die wenigen Szenen merkte ich zudem, dass sie viele geschichtliche Fakten in die Handlung eingebaut hat und über gewisse Ereignisse aufklärt, über die man bisher vermutlich viel zu wenig weiß, insbesondere im Hinblick auf die Kolonialzeit, ohne dabei einen lehrerhaften Ton anzuschlagen.

Sie las ungefähr 30-40 Minuten und erklärte die Lesung dann schon kurz vor 20 Uhr praktisch für beendet, was mich sehr überraschte und zwar nicht im positiven Sinn. Versteht mich nicht falsch, mehr Szenen hätten es meiner Meinung nach auch nicht sein müssen, aber eine Lesung, die nicht im Rahmen einer anderen, größeren Veranstaltung stattfindet, besteht normalerweise aus mehr als bloß einem 30-40-minütigen Vortrag einiger Ausschnitte aus dem vorgestellten Buch – sonst lohnt sich das Kommen eigentlich auch fast gar nicht. In der Regel schließt sich ein moderiertes Interview an oder der Autor bzw. die Autorin beantwortet Fragen aus dem Publikum o.Ä., doch hier fand nichts dergleichen statt. Die Autorin stellte sich lediglich im Rahmen des Signierens noch für weitere Fragen zur Verfügung. Das fand ich ausgesprochen schade – hätte ich das vorher gewusst, hätte ich mir das Buch ggf. irgendwo auf der Messe signieren lassen und eine andere Lesung besucht.

Am Samstag startete der Messetag für mich mit dem wunderbaren Bloggerempfang der Verlage Carlsen und Thienemann, bei dem insgesamt wieder fünf (+1) Autoren anwesend waren und ihre neuen Bücher präsentierten.

Den Anfang machte Clara Benedict, die Autorin von Aura – Die Gabe. Sie erzählte uns etwas mehr über sich und darüber, wie sich ihr Leben als Autorin von ihrem bisherigen Leben unterscheide. So hätte z.B. der Kaffeekonsum schlagartig zugenommen und sie kenne jetzt alle Energy Drink Sorten der Welt. Insgesamt sei das Leben als Autorin jedoch besser als sie es sich vorgestellt habe. Zeitmanagement sei nun allerdings besonders wichtig, zumal sie nicht „nur“ Autorin, sondern auch Lehrerin, Mutter und Sängerin in einer Band sei. Letzteres habe sie nun zwar aufgegeben, dennoch ließ sie sich zu einer kleinen Kostprobe überreden und sang den Cup-Song für uns, sogar mit Becher.

Sie schreibe einfach, was sie selbst gerne lese und als nächstes stünden die beiden Fortsetzungen an, die beide düsterer und erwachsener seien. Aura – Der Verrat, erscheine im Juni dieses Jahres, der dritte Band, Aura – Der Fluch, sei für Oktober 2019 geplant. Danach käme wieder etwas Neues bei Thienemann, mehr könne sie darüber aber noch nicht verraten.

Im Anschluss stellte Laura Kneidl ihren neuen Fantasyroman Herz aus Schatten vor. Das Buch spiele in Praha (= Prag), weil sie eine Stadt mit einer düsteren Aura gebraucht habe und einmal etwas Neues habe probieren wollen. Es gebe viele Monster in dem Buch, die sie selbst entworfen habe, orientiert an den vier apokalyptischen Reitern. Die Protagonistin könne diese Monster bändigen, das sei ihre besondere Gabe. Anfangs sei ihr das zu viel Verantwortung, später komme sie der damit verbundenen Verpflichtung jedoch nach, um ihre Stadt zu schützen. Außerdem enthalte das Buch eine verbotene Liebesgeschichte, schließlich sei ein Konflikt für den Spannungsaufbau notwendig gewesen. Es entwickle sich daher eine Beziehung zwischen der Protagonistin und einem Monster, das sich in einen Menschen verwandeln könne. Darüber hinaus gebe es in dem Buch viel Dunkelheit, die als Metapher für Depressionen stünde.

Als nächstes präsentierten Rainer Wekwerth und Thariot ihren gemeinsamen Roman Pheromon – Sie riechen dich. [Die Fortsetzung, Pheromon - Sie sehen dich, soll im Juli dieses Jahres erscheinen, der dritte Teil, Pheromon - Sie jagen dich, soll dann im Januar 2019 folgen.] Rainer Wekwerth erzählte, dass er gern ein Buch mit einem anderen Autor zusammen habe schreiben wollen, im Urlaub dann etwas von Thariot gelesen und ihn danach gefragt habe, ob er Lust auf eine Zusammenarbeit hätte. So hätten die beiden zueinander gefunden, obwohl der eine in Stuttgart wohne und der andere auf Malta. Die Arbeitsteilung sehe so aus, dass einer die Kapitel schreibe, die in der Gegenwart spielen, und der andere die, die in der Zukunft ablaufen. Nach dieser Trilogie könnten sie sich ein zweites, gemeinsames Projekt vorstellen, ein Konzept hätten sie sogar schon.

Zu guter Letzt sprach Tamara Bach über ihr neues Buch Mausmeer. Sie sei zwar seit 2003 im Geschäft, damals aber eher dort hineingestolpert, da sie sich sogar noch im Studium befunden habe. Der Literaturbetrieb sei damals noch nicht richtig bei ihr angekommen, daher könne sie auch nicht sagen, was sich seitdem alles verändert habe. Eine neue Veröffentlichung sei jedoch nach wie vor etwas Besonderes, trotz inzwischen zahlreicher Preise und Nominierungen. Beim Schreiben denke sie nicht an die Zielgruppe, sondern vor allem an die jeweiligen Figuren. Sie liebe es Dialoge zu schreiben und lese sich diese oft auch laut vor, um zu hören, ob sie stimmig klingen. Nach dem Schreiben sei sie allerdings „fertig mit den Figuren“, deshalb gebe es auch keine Fortsetzungen. Den Titel habe sie ihm Prinzip „geklaut“, dabei handele es sich nämlich um den Namen eines Angellochs/-weihers in dem Ort, aus dem sie komme. Außerdem habe sie offensichtlich einen Hang zu Komposita mit „M“. Ein Notizbuch habe sie immer dabei, vieles merke sie sich aber auch einfach.

Nach den Vorstellungen der Bücher und ihrer Autoren folgte eine kurze Pause, in der wir uns die Bücher signieren lassen konnten. Dieser Signierstunde schloss sich, sozusagen als Überraschungsgast, auch noch Emily Bold an.

Darauf folgte ein Spiel, bei dem zunächst zwei Teams aus je 4-5 Bloggern gegeneinander antraten, ehe dann die Mitglieder des Gewinner-Teams zu Konkurrenten wurden. Die Aufgabe bestand darin Titel aus einem der beiden Verlage zu erklären, zu zeichnen oder pantomimisch darzustellen, die von den restlichen Bloggern im Publikum erraten werden mussten. Dieses Spiel hat wirklich wahnsinnig viel Spaß gemacht, zumal einige Blogger wirklich ausgesprochen kreativ waren, was die „Erklärung“ betrifft, und man das Buch nicht unbedingt gelesen haben musste. Das können wir von mir aus nun jedes Jahr wiederholen!

Zum Abschluss stellten uns die anwesenden Mitarbeiter der Verlage dann ihre Favoriten aus dem kommenden Herbstprogramm vor. Bei Carlsen freue ich mich besonders auf Spiel der Macht von Marie Rutkoski und Du wolltest es doch auch von Louise O’Neill, das einen Bezug zur #metoo-Debatte hat. Bei Thienemann empfand ich Das Ende ist erst der Anfang von Chandler Baker, Cat & Cole – Die letzte Generation von Emily Suvada und Für immer und einen Herzschlag von Tamsyn Murray besonders interessant.

Danach ging es für mich weiter in Halle 4 zum Stand von Piper, wo Stefanie Schmieg zwei anderen Bloggerinnen und mir ein paar Titel aus dem kommenden Programm vorstellte. Im August erscheint beispielsweise Ein Riss im Raum, die Fortsetzung zu Das Zeiträtsel von Madeleine L’Engle. Im September erscheint mit One Small Thing ein neuer Roman von Erin Watt, im Oktober folgt ein weiterer New Adult Roman von Jennifer L. Armentrout mit dem Titel The Dead List. Mit Legendary erscheint im September außerdem die Fortsetzung zu Caraval von Stephanie Garber. Fans von Abbi Glines dürfen sich im Januar 2019 auf Like a Memory – Liebe kennt kein Zurück freuen. Fans von Jennifer Estep dürfen sich im Oktober auf Hard Frost, den zweiten Teil der Mythos Academy Colorado, und im Dezember auf Spinnenglut, den elften Band der Elemental Assassin Reihe, freuen. Fans von Dan Wells können ab Januar 2019 Active Memory, den letzten Band der Mirador-Trilogie, lesen. Mein Highlight war jedoch die Ankündigung eines High Fantasy Auftakts von Laura Kneidl mit dem Titel Die Krone der Dunkelheit, der im Oktober dieses Jahres erscheint.

An die Zeit bis zur nächsten Veranstaltung habe ich, ehrlich gesagt, keinerlei Erinnerung mehr, daher mache ich jetzt einfach mit dem Bloggertreffen von dtv weiter, bei dem Stefanie Broller einer Vielzahl von Bloggern die Herbst-Highlights präsentierte: Im Juli erscheint mit Elian und Lira – Das wilde Herz der See das Debut von Alexandra Christo. Im September erscheint Wicker King von Kayla Ancrum. Im gleichen Monat erscheint Nichts zu verlieren. Außer uns. von Lea Coplin, ein Spin-Off zu Nichts ist gut. Ohne dich. . Die Autorin soll dieses Jahr auch zur Frankfurter Buchmesse kommen. Von Holly Bourne erscheint eine neue Trilogie – Spinster Girls. Der erste Band, Was ist schon normal? , soll im Juli 2018 erscheinen, der zweite Band, Was ist schon typisch Mädchen? , soll bereits im August 2018 folgen. Der dritte Band ist für Februar 2019 geplant. Auch Holly Bourne soll auf der diesjährigen Frankfurter Buchmesse zu Gast sein. Fans von The Hate U Give empfiehlt sie die neue Reihe von James Reynolds. Der Auftakt erscheint im August unter dem Titel Ghost, der zweite Band trägt den Titel Patina und soll im November 2018 folgen. Der Autor soll im September ebenfalls nach Deutschland kommen.

Darüber hinaus beinhaltet das Programm einige Fortsetzungen: Im Juli erscheinen sowohl Ocean City – Im Versteck des Rebellen von R.T. Acron als auch Batman von Marie Lu. Im September erscheinen Gemina von Amie Kaufman und Jay Kristoff und Throne of Glass – Der verwundete Krieger von Sarah J. Maas. Im November erscheint dann Catwoman, ebenfalls geschrieben von Sarah J. Maas.

An das Bloggertreffen schloss sich die Superhelden-Party von dtv an, auf die ich mich schon sehr gefreut hatte. Die Umsetzung hat mir aber leider weniger gefallen, da die einzelnen Programmpunkte auf mehrere Stunden verteilt wurden und die Pausen zwischendurch einfach viel zu lang waren für meinen Geschmack. Hinzu kommt, dass es keinerlei Sitzmöglichkeiten gab und gerade am Messe-Samstag ist man dankbar für jede Sitzgelegenheit. Ich jedenfalls hatte keine Kraft mehr, um stundenlang zu stehen, weshalb ich die Party in einer der langen Pausen schließlich verließ.

Zum Abschluss des Tages besuchte ich eine Veranstaltung, die ich schon seit Jahren gern einmal besuchen wollte, für die ich bis dahin jedoch nie die Zeit gefunden hatte: die Preisverleihung für den Ungewöhnlichsten Buchtitel des Jahres. Ich kann mir gar nicht erklären, warum die Verleihung so schlecht besucht war – vielleicht wegen der späten Uhrzeit? – ich habe mich nämlich bestens amüsiert. Ein Moderator stellte zunächst kurz die Jury vor und präsentierte dann die Shortlist-Titel, allerdings in umgekehrter Reihenfolge, also wie bei einem Countdown. Nach jedem Titel wurde dem Publikum eine Frage gestellt und wer sie als erstes richtig beantwortete, gewann ein Exemplar des Buches, in meinem Fall war dies Heftiges Umarmen im Eingangsbereich der Pension verboten. Am Ende folgte eine kurze Lesung aus dem Gewinnertitel Als Omma den Huren noch Taubensuppe kochte von Anna Basener, fantastisch gelesen von der Autorin selbst, mit Dialekt. Herrlich! Cover, Titel und Klappentext hätten mich nie angesprochen, aber der sehr amüsante Auszug aus dem Buch hat mir so gut gefallen, dass ich es anschließend auf die Wunschliste gesetzt habe.

Den Sonntag nutzte ich vor allem, um mir ein paar der blogger sessions in Halle 5 anzusehen bzw. anzuhören. Den Anfang machte ein Vortrag mit dem Thema #detox – Neues zu Influencermarketing und Schleichwerbung, den ich sehr aufschlussreich fand und zum Anlass genommen habe, um auf meinem Blog ein paar kleinere Änderungen vorzunehmen. Ich persönlich empfinde (Affiliate-)Links zwar nach wie vor nicht als Werbung im Sinne der Definition des Telemediengesetzes, zumindest sofern man für das Setzen des Linkes keine finanzielle Gegenleistung erhält, was bei mir nicht der Fall ist, doch sicher ist sicher.

Da Mona Kasten in diesem Jahr leider nicht zur LLC kommt, machte ich mich anschließend auf den Weg in Halle 4 zu ihrer Signierstunde am Stand von Bastei Lübbe. Die Schlange war schon eine knappe Stunde vor Beginn der Signierstunde extrem lang, aber die Zeit verging schneller als gedacht, wie gesagt, man findet bei so etwas eigentlich immer Gleichgesinnte, mit denen man plaudern kann.

Danach ging ich zurück zu den blogger sessions in Halle 5, allerdings fiel der Vortrag aus, den ich mir eigentlich ansehen wollte und die Alternative – es gab zwei Fachforen, in denen parallel Veranstaltungen stattfanden – konnte mich nicht wirklich fesseln, zumal sie in meinen Augen auch gar nicht in die Veranstaltungsreihe passte. Ich blieb jedoch trotzdem dort, weil ich den nächsten Vortrag – Sicher im Netz – ebenfalls noch hören wollte. Auch diesen Vortrag fand ich durchaus interessant, muss aber zugeben, dass ich nicht alles verstanden habe, weil es zum Teil sehr technisch war. Zudem wurde in der kurzen Zeit recht viel abgehandelt, sodass es bei vielen Aspekten gar nicht möglich war näher ins Detail zu gehen. Ich hatte mich jedoch sehr darüber gefreut, dass die Rednerin anbot ihr eine Mail zu schreiben, wenn man weitere Fragen hätte – auf die Antwort warte ich nun aber leider schon seit ein paar Wochen …

Mein letzter Programmpunkt führte mich wieder in Halle 1. Die Präsentation, die ich eigentlich sehen wollte, hatte ich allerdings verpasst, weil ich mich davor etwas verquatscht hatte – kommt vor. Also schlenderte ich nur ein wenig durch die Halle, ließ noch ein paar Eindrücke auf mich wirken, schaute mir ein paar Graphic Novels an, unterhielt mich mit ein paar Verlags-Mitarbeitern und ließ einfach die Messe ausklingen. Da ich einen etwas späteren Zug gebucht hatte, hatte ich glücklicherweise keinerlei Zeitdruck, was das Verlassen der Messe betraf.

Längere Ausführungen zu dem Schneechaos an dem Wochenende in Leipzig, den damit verbundenen „Unannehmlichkeiten“ und dem stundenlangen Stehen an diversen Bahnhöfen, insbesondere am Sonntag, als ich einfach nur noch nach Hause wollte, spare ich mir an dieser Stelle und hoffe einfach mal, dass uns das im nächsten Jahr erspart bleibt. Davon abgesehen war es nämlich eine sehr schöne Messe, vor allem auch, weil ich endlich mal einige liebe Blogger, Autoren und Verlagsmitarbeiter wiedergetroffen habe, die ich sonst nur selten zu Gesicht bekomme. Hoffentlich sehen wir uns im nächsten Jahr wieder. :)

Apr  12

[Lesung] Britta Sabbag, Maite Kelly & Joëlle Tourlonias

12. April 2018 | 23:55 | Erlebt

Am 22. Februar 2016 stellten Britta Sabbag, Maite Kelly und Joëlle Tourlonias in der ocelot Buchhandlung in Berlin den zweiten Band ihrer Bilderbuchreihe um die kleine Hummel Bommel vor und auch ich nahm an der gut besuchten Veranstaltung teil. Der ganze Laden war entsprechend dekoriert worden und überall standen gerahmte Illustrationen von Joëlle Tourlonias, die man zu Preisen ab 30 Euro käuflich erwerben konnte.

Ich war bereits frühzeitig vor Ort und nutze die Zeit für einen kleinen Plausch mit der wunderbaren Illustratorin Joëlle Tourlonias. Sie erzählte mir, dass sie inzwischen hauptberuflich als Illustratorin arbeite und um die fünfzehn Bücher pro Jahr gestalte. Für ein Bilderbuch brauche sie im Durchschnitt etwa zwei Wochen. Wenn sie in Zeitnot gerate, helfe sogar ihr Freund beim Ausmalen. Die Idee mit den Chucks, die die kleine Hummel trägt, sei allerdings direkt von Maite Kelly und Britta Sabbag gekommen.

Nach einer kurzen Einführung durch Mitarbeiter der Buchhandlung sowie des Verlages, begann dann die eigentliche Lesung. Maite Kelly und Britta Sabbag trugen mit verteilten Rollen und verstellten Stimmen Die kleine Hummel Bommel sucht das Glück vor. Erstere übernahm meistens die direkte Rede, zum Teil mit tollen, ausländischen Akzenten, wohingegen letztere den restlichen Text vorlas. Die vielen kleinen Kinder, die den Autorinnen lauschten – der jüngste Gast war gerade einmal 15 Monate alt – wurden ebenfalls aktiv in die Lesung eingebunden, indem sie alle das „Brumm, Brumm, Brumm“ nachmachen sollten. Für einige Lacher sorgte hingegen der zweimalige Zwischenruf eines kleinen Jungen wegen der Tram vor dem Laden: „Oooh, eine Straßenbahn!“.

An den entsprechenden Stellen sang Maite Kelly mit viel Gefühl die beiden Songs zum zweiten Bilderbuch, wobei man ihr sichtlich anmerkte, wie viel Freude sie daran hatte. Im Hintergrund lief die ganze Zeit ein „Bilderbuch-Kino“, sprich es wurden die entsprechenden Illustrationen aus dem Buch an eine Wand projiziert. Für Joëlle Tourlonias stand zudem ein Flipchart bereit, auf das sie währenddessen live ein wunderbares Bild der kleinen Hummel zeichnete, das am Schluss die Organisatorin der Veranstaltung geschenkt bekam.

Aufgrund der wenigen Seiten war die Lesung leider ziemlich schnell vorbei, vor dem Signieren durften die kleinen Gäste aber natürlich noch Fragen loswerden. Ein süßer kleiner Junge wünschte sich bei der Gelegenheit noch den Song „Du bist du“ aus dem ersten Band, den Maite Kelly ihm gern erfüllte, allerdings unter der Bedingung, dass er mitsang. Als sie ihn auf „seine Bühne“ (einen Stuhl) stellte, verpasst sie beim ersten Mal ihren Einsatz, „weil sie so ein Profi ist“, wie sie selbst schmunzelnd sagte. Beim Refrain sangen dann auch alle anderen Kinder mit, was wirklich niedlich war und wofür sie selbstverständlich viel Applaus bekamen.

Ein anderer Junge fragte Maite Kelly, die übrigens wirklich gut mit Kindern umgehen kann, warum sie denn nicht ihr „Atemlos“ Lied singe. Die Antwort: „Weil ich nicht Helene Fischer bin.“, woraufhin alle Erwachsenen in schallendes Gelächter ausbrachen. Die Sängerin nehme es jedoch gern als Kompliment, dass der Junge sie offenbar für sie schön und schlank wie Helene Fischer halte. Helene Fischer dürfe man aber nichts von dieser Verwechslung erzählen, sonst esse diese am Ende vielleicht nie wieder etwas. Doch ein paar Takte von „Atemlos“ sang sie am Ende trotzdem kurz.

Gefragt wurde außerdem, wie die beiden auf den Namen Bommel gekommen seien. Ursprünglich hätte die Hummel wohl einen anderen Namen gehabt, der sei aber nicht ideal gewesen. Auf Bommel seien sie dann gekommen, weil die Hummel so ein bisschen aussehe wie die Bommeln, die manchmal an Kinderkleidung genäht seien, und das hätte perfekt gepasst. Warum Bommel keine Biene ist? Wegen des Physikers, der irgendwann einmal meinte, dass Hummeln eigentlich zu schwer zum Fliegen seien, das jedoch einfach nicht wüssten. So seien sie auf die Idee für das Buch gekommen und auch Menschen bewiesen oft, dass sie etwas können, obwohl jemand anderes das Gegenteil behauptet.

Zum Abschluss konnte man sich dann von Britta Sabbag, Maite Kelly und Joëlle Tourlonias die Bilderbücher oder sonstige hummelige Sachen signieren lassen, wobei letztere sich sogar manchmal die Zeit nahm zusätzlich zu ihrer Signatur kleine Hummeln auf das Titelblatt zu zeichnen.

Dez  21

[Lesung] Jodi Picoult

21. Dezember 2017 | 23:55 | Erlebt

Am 13. November 2017 stellte die us-amerikanische Autorin Jodi Picoult bei einer recht gut besuchten Veranstaltung im Berliner Kulturkaufhaus Dussmann, bei der auch ich im Publikum saß, ihren neuesten Roman Kleine große Schritte vor. Die Lesung wurde von Margarete von Schwarzkopf moderiert, die deutschen Passagen aus dem Buch wurden von der Schauspielerin Bettina Lamprecht vorgetragen.

Die Veranstaltung begann mit einer kurzen – abgelesenen – Einführung durch eine Mitarbeiterin des Kaufhauses, bei der ich mich wieder einmal gefragt habe, wie schwer es eigentlich sein kann sich drei Sätze einzuprägen. Das ist aber das einzige, was ich an dem Abend zu bemängeln habe, ansonsten war die Lesung wirklich ganz wunderbar.

Das Interview mit der Autorin begann mit einem politisch ebenso aktuellen Thema wie das ihres neuesten Werkes, denn Jodi Picoult erzählte, wie geschockt sie gewesen sei, als sie in den Nachrichten gesehen habe, was sich zu der Zeit gerade in Polen ereignete (Marsch von 60.000 Nationalisten durch Warschau) und dass wir offenbar doch nicht aus der Vergangenheit gelernt hätten.

Grundsätzlich schreibe die Autorin über das, worüber sie schreiben „müsse“. Der Prozess beginne dabei immer mit einer „was wäre, wenn“-Frage und je länger sie über eine solche Frage nachdenken müsse, desto besser sei die Idee, insbesondere wenn sie ihr mehrere schlaflose Nächte beschere. Als ihre Kinder – insgesamt habe sie nun drei – noch jung gewesen seien, habe sie vor allem über all die furchterregenden Dinge geschrieben, die den eigenen Kindern zustoßen könnten. Je älter ihre Kinder geworden seien, desto mehr habe sie angefangen die Themengebiete auszuweiten. Heute stünden eher moralische Fragen im Mittelpunkt.

Über Rassismus habe Jodi Picoult schon lange schreiben wollen. Eine Idee habe sie auch schon vor sehr langer Zeit gehabt, allerdings keine authentischen Charaktere dazu. Außerdem habe sie sich lange gefragt, ob sie überhaupt das Recht dazu habe über dieses Thema zu schreiben, schließlich habe sie nicht vom Leid anderer profitieren wollen.


Im Jahr 2012 habe es in den USA wirklich eine schwarze Krankenschwester gegeben, der es untersagt worden war ein weißes Baby anzufassen. Diese habe sich dann mit anderen Kolleginnen zusammengetan und das Krankenhaus verklagt. Die Idee zu Kleine große Schritte sei dann aus der Frage heraus entstanden, was geschehen wäre, wenn diese Krankenschwester allein mit dem weißen Baby gewesen und irgendetwas schief gegangen wäre.

Die Autorin betonte darüber hinaus, dass sie den Roman eben gerade nicht für Schwarze geschrieben habe, diese würden ihren mitunter schwierigen Alltag nämlich selbst gut genug kennen. Zudem sei es ihr sehr wichtig gewesen die Handlung aus verschiedenen Perspektiven zu schildern, der der Krankenschwester (Ruth), der ihrer Verteidigerin (Kennedy) und der des rassistischen Vaters des Neugeborenen (Turk).

Die Recherche für den Roman habe über zwei Jahre gedauert und damit mehr Zeit in Anspruch genommen als bei jedem anderen Buch zuvor. Sie habe sich mit Krankenschwestern und schwarzen Frauen getroffen, deren Erfahrungen in die Geschichte von Ruth eingeflossen seien. Besonders viel Recherche sei allerdings auch für Turk notwendig gewesen. Sie habe mit zwei ehemaligen Neonazis gesprochen, die vor einigen Jahren aus der Szene ausgestiegen seien. Beide hätten schlimme Verbrechen begangen, aber immerhin ihre Lektion gelernt und irgendwann gemerkt, dass ihre Vorurteile unberechtigt waren. „Skinheads“ ließen sich heute auch nicht mehr auf den ersten Blick erkennen, würden jedoch nach wie vor Ängste schüren und sich dafür vermehrt der sozialen Medien bedienen. Es sei schwierig für sie gewesen den Erzählungen der beiden Männer zuzuhören und es habe sie schockiert zu hören, dass es so etwas heute noch immer gebe. Die Männer seien inzwischen aber sehr reumütig und würden für den Rest ihres Lebens versuchen die begangene Gewalt wiedergutzumachen. Sie würden ihr Leben nun dem Kampf gegen Hass widmen und wenn sie es könnten, müsste es dann nicht jedem gelingen können?

Dann folgte die erste kurze Unterbrechung des Interviews und eine erste Szene aus dem Roman wurde von Bettina Lamprecht vorgetragen, die das wirklich ganz hervorragend machte. Es war die Szene im Krankenhaus, in der Ruth miterlebt wie Turk verlangt, dass weder sie noch „eine andere wie sie“ sich um sein Kind kümmere.

Turk sei der Charakter gewesen, der am schwierigsten zu schreiben gewesen sei. Bei Ruth sei es „nur“ wichtig gewesen den richtigen Ton zu treffen, sie authentisch zu machen; als Mensch ähnele sie der Autorin sehr. Turk zu schreiben hätte sich hingegen oftmals sehr schmutzig angefühlt und sie habe danach immer das Bedürfnis gehabt zu duschen. Das sei ihr zum ersten Mal so gegangen. Trotzdem habe man aufgrund seines Verlustes irgendwann Mitleid mit ihm. Es mache einen vielleicht sogar wütend sich mit so jemandem zu identifizieren, doch es passiere und das sei wichtig.

Keine Figur und kein Mensch sei ein Heiliger, alle hätten Fehler; Schwächen und Stärken. Es ginge also vielmehr um die verschiedenen Grautöne dazwischen, denn nicht alles sei schlicht schwarz oder weiß – im übertragenen Sinn.

Es schloss sich ein kleiner Dialog an, der für viele Lacher sorgte, weshalb ich euch nun ebenfalls daran teilhaben lassen möchte:

Jodi Picoult: “[…] Everyone has shades of grey.“
Margarete von Schwarzkopf: “At least fifty.”
JP: “I didn’t write that book, otherwise it would have been better!”

Zurück zum Thema: Als Weißer habe man so viele Privilegien, derer man sich gar nicht bewusst sei und über die man nie nachdenke. Darauf habe sie aufmerksam machen wollen. Sie wolle nicht erreichen, dass man sich schuldig fühle, aber man solle solche Umstände bemerken und vielleicht sogar etwas daran ändern. Die Botschaft des Romans entspreche daher dem Zitat von James Baldwin auf Seite 15 der deutschen Ausgabe: „Nicht alles, dem man sich stellt, kann auch verändert werden. Aber nichts kann verändert werden, wenn man sich ihm nicht stellt.“

Im Prinzip könne das Buch genauso gut von anderen Minderheiten handeln, denen ginge es nämlich meist ähnlich. Sie alle hätten gewisse Probleme im Alltag oder ähnliche Erfahrungen gemacht wie die Protagonistin Ruth, die Autorin habe sich nur eben auf die Afro-Amerikaner konzentriert. Doch auch für Juden und Muslime sei es gerade eine harte Zeit in den USA.


Viele Menschen seien auf sie zugekommen und hätten ihr ihre Erfahrungen geschildert. Dabei habe sich herauskristallisiert, dass Rassismus nicht nur aus Vorurteilen bestehe, sondern aus der Verknüpfung von Vorurteilen und Macht. Ein großes Problem sei in den USA zurzeit der Anstieg von Hassgruppen und die Normalisierung von Hassreden. Sie würden „macht Amerika wieder groß“ sagen, aber eigentlich „macht Amerika wieder weiß“ damit meinen. Alles solle wieder leicht und unproblematisch für sie sein. Jodi Picoult hoffe jedoch, dass es sich dabei um „den letzten Atemzug einer sterbenden Rasse“ handele. In 20 Jahren werde die USA nicht mehr überwiegend von weißen Menschen bevölkert werden und davor würden sich viele fürchten. Im Ergebnis gebe es aber viel mehr Gemeinsamkeiten zwischen den verschiedenen Kulturen als Unterschiede, man müsse sich nur damit vertraut machen.

Als zweites wurde dann eine Szene aus der Sicht von Turk vorgelesen, der zu jenen angsterfüllten Menschen gehöre. Insgesamt wurden diese Szenen alle sehr gut ausgewählt, waren interessant und hatten eine sehr angenehme Länge.

Alles, was Turk als junger Mann erlebt habe, sei einem der beiden jungen Männer, die Jodi Picoult für das Buch interviewt habe, in Wirklichkeit passiert. So unwirklich manches vielleicht erscheine, das alles sei real und existiere tatsächlich. Sie habe sogar noch ca. 70 Seiten aus seiner Perspektive gekürzt, weil es sonst zu viele gewesen wäre, um es beim Lesen zu verarbeiten.

Kleine große Schritte sei ferner ein Buch über Eltern und Kinder und wie sie einander gegenseitig formen. Alle Charaktere darin würden eine Beziehung zu einem Kind haben, das sie beschützen wollen; das sei ihre gemeinsame Motivation.

Kennedy sei ebenfalls eine interessante Figur und entspreche am ehesten dem Bild eines „Gutmenschen“. Doch auch sie mache Fehler und habe Schwächen, auch sie mache nicht alles richtig. Durch den Gerichtsprozess lerne sie aber viel dazu.

Wie könne man etwas ändern? Die Autorin freue sich sehr, dass man diese Frage stelle und nannte daraufhin einige Beispiele als Antwort. Man solle niemals sagen, dass man „colour-blind“ sei, sondern besser „race-aware“, sonst würde es nur fälschlicherweise bedeuten, dass man etwas nicht wahrnehme. Man solle nicht sagen „all lives matter“ oder „I have black friends“, als Weißer solle man sich nicht immer hervortun. Alle Leben hätten eben erst dann eine Bedeutung, wenn das auch die Schwarzen umfasse. Man müsse den Unterschied zwischen Gerechtigkeit und Gleichwertigkeit verstehen. Man solle sich selbst in unbehagliche Situationen begeben, um andere zu verstehen, und sich selbst weiterbilden. Sie fragte das Publikum, ob irgendjemand wisse, wer beispielsweise Garret Morgan sei, was niemand bejahen konnte, obwohl eine seiner Erfindungen jedem nur allzu gut bekannt sei. Herauszufinden, welche das sei und wer er war, sei also unsere Hausaufgabe des heutigen Abends.

Sie führte weiter aus, dass man auf jeden Fall über Rassismus reden und anderen zuhören solle. Es sei besser dabei Fehler zu machen als überhaupt nicht über das Thema zu sprechen. Man solle mehr Bücher von diversen Autoren lesen. Man solle versuchen zu verstehen, wie man sich als Angehöriger einer Minderheit fühle.

Zum Abschluss wurde dann noch eine letzte, sehr aufschlussreiche Szene aus der Sicht von Kennedy gelesen, die eindrucksvoll zeigt, wie unterschiedlich so eine gewöhnliche, alltägliche Aufgabe wie das Einkaufen ablaufen kann.

Die Moderatorin bedankte sich daraufhin beim Publikum fürs Zuhören und Jodi Picoult verriet noch, dass Kleine große Schritte demnächst verfilmt werde und zwar mit Viola Davis als Ruth und Julia Roberts als Kennedy. Des Weiteren sei auch der nächste Roman bereits in Arbeit.

Natürlich hatte man im Anschluss zudem die Möglichkeit sich Bücher von der Autorin signieren zu lassen, welche auch ich in Anspruch nahm. Für diesen Anlass hatte ich mir im Vorfeld extra den neuen Roman gekauft, nur um dann später festzustellen, dass ich tatsächlich schon vier andere Bücher von ihr im Regal hatte. Doch spätestens nach der Lesung hätte ich Kleine große Schritte ebenfalls haben wollen, sodass es letztlich ganz gut war, dass mir die anderen Bücher zwischenzeitlich entfallen waren.

Nov  29

[Event] Harry Potter Lesenacht

29. November 2017 | 22:58 | Erlebt

2016 feierte ich meinen Geburtstag am 23. September mit dem Besuch eines besonderen, einzigartigen Events: der Harry Potter Lesenacht anlässlich des Erscheinens der deutschen Ausgabe von Harry Potter und das verwunschene Kind.

Beim Betreten des Veranstaltungsortes war bereits auf den ersten Blick erkennbar, dass sich der Verlag wahnsinnig viel Mühe gegeben und wirklich tolle Ideen entwickelt hatte. Ein Hut teilte einen zunächst erst einmal einem der vier Häuser zu, wobei man diese Entscheidung gegebenenfalls durch einen kleinen Tausch beeinflussen konnte. Es gab perfekt zum Motto passendes Essen in der großen Halle, im „Drei Besen“ wurde Vielsaft-Trank serviert, man konnte Socken für die Aktion „Rettet die Hauselfen“ spenden und sogar seinen Namen in den Feuerkelch werfen. Viele Fans waren außerdem kostümiert erschienen und einer der Männer sah Daniel Radcliffe tatsächlich verblüffend ähnlich.


Der Abend begann mit einer kurzen Einführung durch die Verlegerin, die ein paar Worte zu Harry Potter im Allgemeinen sowie dem unerwarteten Erfolg der Reihe sagte und erzählte, wie Carlsen dadurch von einem kleinen Verlag zu einem der größten Deutschlands wurde.

Im Anschluss fand das Trimagische Turnier mit einem Champion aus jedem der vier Häuser statt. Ich konnte es erst gar nicht glauben als mein Name gleich als erstes fiel und bereute es augenblicklich meinen Namen überhaupt in den Feuerkelch geworfen zu haben, denn ausgerechnet ich war der Champion für Gryffindor. Zum Glück habe ich mich letztendlich aber nicht, wie befürchtet, bis auf die Knochen blamiert, sondern eigentlich ganz gut geschlagen und mir mit dem Ravenclaw-Champion den zweiten Platz geteilt, leider hinter Slytherin. Die erste Runde bestand aus Quizfragen, in der zweiten wurden Zaubersprüche abgefragt und in der dritten traten wir beim Tisch-Quidditch gegeneinander an. Letzteres fand ich besonders originell und schön gemacht, zumal es im Grunde so einfach ist, dass man es zu Hause jederzeit nachmachen könnte.


Es folgte eine kurze Pause, in der ich von meiner Arbeitskollegin, die mich zu der Veranstaltung begleitet hatte, sowie einigen lieben Blogger-Kollegen sogar noch ein Geburtstagsständchen bekam. In der Schlange am Buffet räumten mir manche wegen meiner Teilnahme am Trimagischen Turnier zudem sogar Vorrechte ein, sprich ich wurde vorgelassen.

Um 23.30 Uhr wurden sodann erst der Epilog aus Harry Potter und die Heiligtümer des Todes vorgetragen, daraufhin die Sekunden bis Mitternacht und damit zum Erscheinungstermin des Drehbuchs zum Theaterstück gezählt und schließlich das erste Kapitel aus Harry Potter und das verwunschene Kind vorgelesen. Vor allem der Epilog wurde wirklich angenehm vorgetragen, während das Zuhören beim ersten Kapitel des Skripts nicht mehr ganz so schön war, da es nicht mit verteilten Rollen gelesen wurde, sondern stets erst der Name einer Figur genannt und dann der der Person zugewiesene Text vorgetragen wurde, und der Inhalt darüber hinaus nahezu identisch war.


Die Gewinnerin des Trimagischen Pokals bekam anschließend als erste das Buch überreicht, woraufhin auch alle anderen Gäste eine Tüte mit einem brandneuen Exemplar entgegen nehmen durften. Zum Abschluss des gelungenen Abends folgte noch eine letzte Photo-Session mit allen Fans sowie deren Büchern.

Alles in allem war es eine wahrlich fantastische Nacht, die unheimlich viel Spaß gemacht hat, weshalb ich sehr froh bin, dass ich daran teilnehmen durfte. Von mir aus dürfte der Verlag also gern noch einmal eine solche – oder ähnliche – Veranstaltung organisieren, genügend Bücher aus der Welt von Harry Potter, deren Erscheinen man feiern könnte, wird es ja auch in Zukunft geben.

Nov  23

[Lesung] Eva Völler

23. November 2017 | 22:24 | Erlebt

Am 09. September 2015 habe ich in Berlin die Lesung von Eva Völler anlässlich des Erscheinens ihres neuesten Jugendbuches Zeugenkussprogramm besucht.

Nach einer kurzen Begrüßung durch die Literaturinitiative, die die Veranstaltung organisiert hatte, erhielt die Autorin das Wort, die dann zunächst den Klappentext des Buches vorlas und etwas zum Inhalt des Romans sagte.

Anschließend trug sie, begleitet von kurzen Zusammenfassungen der wichtigsten Geschehnisse, ein paar Szenen aus dem Buch vor, unter anderem wie es schließlich dazu kommt, dass die Protagonistin Emily ins Zeugenschutzprogramm muss und wie sie zum ersten Mal auf Pascal, ihren Personenschützer, trifft. Unglücklicherweise las die Autorin allerdings ziemlich monoton und das circa eine Stunde lang, sodass die anwesenden Schüler offenkundig ziemlich erleichtert waren, als dieser Teil der Veranstaltung endlich vorüber war.

Die Autorin verriet, dass die Geschichte am Schluss ein glückliches Ende nehmen werde und gab dem Publikum dann die Möglichkeit ihr Fragen zu stellen. Neben einigen unqualifizierten Fragen nach der Seitenzahl oder der Altersempfehlung des Romans, waren zum Glück auch ein paar ernsthafte Fragen dabei.

Eva Völler habe bereits vor über 20 Jahren mit dem Schreiben angefangen und als Berufsautorin schreibe sie unter verschiedenen Pseudonymen Romane für unterschiedliche Zielgruppen, einschließlich Erwachsener. Ihr Verlag habe sie damals auf die Idee gebracht ein Jugendbuch zu schreiben, wodurch letztlich ihre Zeitenzauber-Trilogie entstand. Wie viele Bücher sie schon geschrieben habe, könne sie gerade nicht genau sagen. Sie sei aber zufrieden mit ihrem Erfolg.

Zeugenkussprogramm spiele in Berlin, weil Emily von der Großstadt in die Pampa umziehen müsse und der Kontrast bei Berlin als größte Stadt Deutschlands eben am größten gewesen sei. Die Autorin habe sich schon immer für das Zeugenschutzprogramm als Thema interessiert, was sie schließlich zu dieser Geschichte inspiriert habe. Sie selbst komme ja ebenfalls aus dem rechtlichen Bereich, denn sie habe Jura studiert und als Richterin gearbeitet bevor sie Autorin wurde. Mit der Protagonistin Emily habe sie nur wenig gemeinsam, um genau zu sein nur die Haarfarbe, den späteren Wohnort sowie die Rechenschwäche.

Für das Schreiben von Zeugenkussprogramm habe sie insgesamt circa 4-5 Monate gebraucht, wohingegen sie für historische Romane meist länger brauche; die seien jedoch oft auch bis zu 1000 Seiten lang. Für die Vornamen in all ihren Büchern habe sie eine Excel-Tabelle, um Wiederholungen zu vermeiden.

Damit endete die Veranstaltung auch schon. Zum Abschluss fand im Foyer allerdings noch eine Signierstunde statt, bei der ich mir mein Exemplar des Romans von der Autorin signieren ließ.

Nov  15

[Lesung] Jennifer L. Armentrout

15. November 2017 | 23:15 | Erlebt

Am 18. Oktober 2017 kam die us-amerikanische Bestseller-Autorin Jennifer L. Armentrout im Rahmen ihrer Deutschland-Tour nach Berlin und als großer Fan ihrer zahlreichen Romane konnte ich es natürlich kaum erwarten die Autorin einmal persönlich kennenzulernen.

Im Vorfeld hatten die drei Verlage, die Jennifer L. Armentrout gemeinsam nach Deutschland einluden – Carlsen, Piper sowie Harper Collins – dazu aufgerufen, sich besondere Aktionen für den ersten Deutschland-Besuch der Autorin zu überlegen und mein Vorschlag war unter denen, die letztlich in die Tat umgesetzt wurden. Ich durfte daher einen Rundgang durch unsere wunderschöne Hauptstadt für die Autorin organisieren, an dem außer mir noch fünf weitere Bloggerinnen teilnahmen. Leider hat am Ende nicht alles so geklappt, wie es ursprünglich geplant war, da die angekündigte Zeit plötzlich beinahe um die Hälfte gekürzt wurde, aber ich fand es trotzdem toll die Autorin vorab schon einmal zu treffen und hoffe, den anderen Teilnehmerinnen hat es ebenfalls Spaß gemacht.

Am Abend stand dann die Veranstaltung im Zoo-Palast auf dem Programm, die ein wenig chaotisch begann, weil die Mitarbeiter des Kinos irgendwie nicht so recht Bescheid wussten. Ein paar durften schon rein, andere wurden wieder hinausgeschickt, auf einmal bildete sich dann allerdings doch eine Schlange – egal. Dank des Stadtrundgangs hatte ich einen Platz auf der Gästeliste bekommen und durfte schließlich in der ersten Reihe mit perfekter Sicht auf die Bühne Platz nehmen. Darüber hinaus bekam jeder Besucher beim Gang in den Saal noch einen kleinen Goodie-Bag mit einer Autogrammkarte, einer Kerze sowie einem Anhänger überreicht.


Gegen 18 Uhr begann dann die zwar nicht ausgebuchte, aber doch sehr gut besuchte Veranstaltung mit einer relativ langen Einführung durch die Moderatorin, die meiner Meinung nach insgesamt viel zu viel geredet hat anstatt Jennifer L. Armentrout selbst zu Wort kommen zu lassen. Anwesend war außerdem noch eine Sprecherin, die später zwei Kuss-Szenen aus verschiedenen Büchern vortrug.

Im Februar 2018 soll der dritte Band zu Oblivion, also der Lux-Reihe aus Daemons Perspektive, erscheinen. Damit sei die Serie aber noch lange nicht zu Ende, denn die Autorin arbeite gerade an einer Serie über die Origins, einschließlich Luc, die sie vermutlich schlicht Origins nennen werde und die auch unabhängig von der Geschichte um Daemon und Katy gelesen werden könne. Die Spin-Off-Reihe soll vier Jahre nach den Ereignissen in Opposition spielen und zeigen, was sich verändert habe, seit die Menschen über die Lux Bescheid wissen. Der erste Band soll den Titel Retribution tragen. Daemon würde im Buch auftauchen, ebenso wie Archer, und es enthalte einer ihrer liebsten Szenen, die sie je geschrieben habe.

Bei Deadly Ever After handele es sich – laut der Moderatorin – um einen Einzelband aus dem „sexy crime“ Genre, in dem etwa alle 6 Monate ein neues Buch erscheinen solle.

Angesprochen auf die unterschiedlichen (Liebes-)Beziehungen antwortete die Autorin, dass die Liebe zwischen Josie und Seth (Titan), anders als die von Alex und Aiden (Covenant), nicht verboten sei. Doch Seth sei eine sehr komplizierte Figur, wodurch er diese Beziehung zu einer völlig anderen mache. Aiden sei jemand, den man heiraten würde, Seth hingegen eher nicht.

Daraufhin wurde von der Sprecherin die erste der beiden angekündigten Kuss-Szenen vorgetragen. Sie stammte aus Erwachen des Lichts, dem ersten Band der Titan Reihe, deren dritter Band bereits im Dezember erscheint. Der vierte soll dann im nächsten Jahr folgen.

Im Anschluss drehte sich alles um potenzielle Verfilmungen der Romane der Autorin. Die Rechte an Obsidian seien erst kürzlich verkauft worden und das Projekt befinde sich nun im Drehbuch-Stadium. Die Arbeiten an der Verfilmung der Wicked Saga seien hingegen schon weiter fortgeschritten, hier sollen im Frühjahr 2018 bereits die Dreharbeiten beginnen.

Jennifer L. Armentrout habe früher Verhaltensforscherin werden wollen und daher an der Universität Psychologie- sowie Soziologie-Kurse besucht. Sie habe sich der Verhaltenswissenschaft widmen und Profilerin beim FBI werden wollen. Das sei ihre einzige dunkle Seite, ansonsten sei sie eher „fluffig“.

Es folgte die zweite Kuss-Szene, dieses Mal allerdings aus Deadly Ever After.


Ihre Ratschläge für Fans, die selbst ebenfalls schreiben: „Schreibt, was ihr selbst gern lesen wollt, ansonsten wird es niemand wollen. Schreibt jeden Tag, selbst wenn es nur hundert Wörter sind, selbst wenn man das Geschriebene schrecklich findet, denn „nichts“ kann man nicht überarbeiten.“ Den ersten Entwurf würde im Übrigen jeder noch ziemlich mies finden, das ginge allen Autoren so.

Daraufhin durfte endlich auch das Publikum Fragen beisteuern. Ihre Inspiration käme von überall her, dafür reiche manchmal schon ein Lied oder ein Werbespot. Jennifer L. Armentrout gestand zudem, dass sie sich generell sehr schnell langweilen würde und das Schreiben ihr Weg sei, sich davon abzuhalten sich zu langweilen.

Es gebe nicht nur einzelne Szenen, sondern gleich ganze Bücher, die sie gern noch einmal komplett umschreiben würde, weshalb sie versuche ihre Werke nicht mehr zu lesen, sobald sie veröffentlicht wurden, weil sie dann sowieso nichts mehr daran ändern könne.

Sowohl bei der Dark Elements als auch bei der Lux Reihe, finde sie die deutschen Cover viel schöner als die amerikanischen und das sage sie nicht nur, weil sie gerade in Deutschland ist.

Sie betrachte sich selbst als Ravenclaw – ja, sie wurde gefragt, in welches Hogwarts-Haus sie gehöre – wurde auf Pottermore allerdings bei den Slytherins eingeordnet.

Von den eigenen Serien sei die geplante Origins Serie über Luc und die anderen Origins vielleicht ihr heimlicher Favorit, die Frage beantworte sie aber nur äußerst ungern, weil sie offiziell natürlich alle ihr „Kinder“ liebe. Viele der Fragen, die in Opposition noch offen geblieben seien, würden in Origins übrigens beantwortet werden.

Ja, es gebe viele kitschige Szenen in ihren Romanen, doch sie verbinde Kitsch immer mit Humor und mache sich auch etwas über das Genre lustig. Das Wichtigste sei ohnehin die Balance.

Sie liebe Happy Ends und sei der Ansicht, dass das Ende einer Serie ihre Leser zufrieden stellen müsse. Sie sollen die Zeit, die sie in das Lesen der Bücher investiert haben, am Ende schließlich nicht bereuen.

Von ihren eigenen männlichen Charakteren würde sie sich, aus den Contemporary Romanen, am ehesten Cam (Wait for you) oder, aus dem paranormalen Bereich, Roth (Dark Elements) aussuchen, oder vielleicht noch Luc oder Aiden, aber auf keinen Fall Daemon, das gäbe nur Streit, weil sie sich viel zu ähnlich seien.

Eine richtige Schreibblockade habe sie noch nie gehabt. Natürlich bleibe auch sie manchmal stecken, dann springe sie erst einmal zu einer anderen Szene, auf die sie sich besonders freue. Klappe das nicht, wäre das ein relativ sicheres Anzeichen dafür, dass mit der Geschichte etwas nicht stimme.

Bei Wattpad gebe es zahlreiche, kostenlos verfügbare Bonusszenen der Autorin zu verschiedenen Büchern bzw. Reihen, unter anderem auch eine Szene, in der Katy schwanger sei. Darüber werde man dann ebenfalls mehr in der Spin-Off-Reihe erfahren.

Damit endete die Veranstaltung nach etwas über einer Stunde leider auch schon. Es bestand jedoch natürlich noch die Möglichkeit sich Bücher signieren zu lassen und Photos mit der Autorin zu machen, wofür man reihenweise aufgerufen wurde, sodass das Ganze ziemlich gesittet vonstattenging. Eine persönliche Widmung bekam man nur einmal, signiert wurden aber meist alle Bücher, sodass auch ich meinen Koffer wenigstens nicht umsonst mitgebracht hatte.

Nov  01

[Buchvorstellung] Cecelia Ahern

01. November 2017 | 13:40 | Erlebt

Am 07. Oktober 2017 kam Cecelia Ahern im Rahmen ihrer Deutschland-Tour zu ihrem neuen Roman So klingt dein Herz auch nach Berlin und wie immer war ich mit von der Partie, da ich zum Glück gerade noch rechtzeitig von der Veranstaltung erfahren hatte und mir diese Chance nicht entgehen lassen wollte.

Die „Buchvorstellung“ fand am Nachmittag im Kulturkaufhaus Dussmann statt und war ausgesprochen gut besucht; es waren sogar mehr Leute gekommen als letztendlich in den Raum hineingelassen wurden. Umso enttäuschender war dann die Nachricht gleich zu Beginn, dass die Autorin für die gesamte Veranstaltung gerade einmal 60 Minuten Zeit hätte und man sich dennoch für ein Gespräch mit anschließender Signiermöglichkeit entschieden hätte, statt eine reine Signierstunde daraus zu machen. (Eine Lesung im eigentlichen Sinn fand dementsprechend gar nicht statt.)

Diese Entscheidung kann ich, insbesondere in Anbetracht der vielen Fans, die nur wegen Cecelia Ahern gekommen waren und möglicherweise sogar eine weite Anreise auf sich genommen haben, nicht nachvollziehen. Abgesehen davon, dass ich eine Stunde generell als viel zu wenig Zeit empfinde, egal für welche Art von Veranstaltung, also selbst für eine reine Signierstunde, worauf Dussmann aber vielleicht keinen Einfluss hatte, war ab diesem Moment klar, dass vermutlich nicht einmal die Hälfte aller Anwesenden eine Signatur bekommen würde. Es handelte sich jedoch um den einzigen Termin in Berlin und wurde so vorher natürlich auch nicht angekündigt. Sehr schade.


Moderatorin Shelly Kupferberg begrüßte die sympathische Cecelia Ahern dann auf der Bühne, stellte zunächst die Autorin sowie ihren neuen Roman ausführlich vor – unnötig, wenn ihr mich fragt, vor allem, wenn die Zeit ohnehin so knapp ist – und stellte der Autorin anschließend einige Fragen. Den Sturm in Deutschland habe sie gut überstanden. Da der Bahnverkehr eingestellt wurde, haben sie aber aufs Auto umsteigen müssen, was regelrecht zu einem kleinen Road Trip durch das Land geführte habe.

Wenn sie etwas schreibe, dann in erster Hinsicht für sich selbst, obwohl sie sich ihrer Fans natürlich bewusst sei. Bei traurigen Szenen müsse sie selbst am Schreibtisch weinen und bei lustigen lachen, das sei die erste Voraussetzung, nur so funktioniere das Schreiben für sie. Ihre Mutter sei es gewesen, die sie damals überredet habe, P.S. Ich liebe dich, das sie eigentlich ebenfalls nur für sich selbst geschrieben habe, einem Agenten zu zeigen, um herauszufinden, ob sie wirklich Talent habe. Der Rest sei Geschichte.

Zu So klingt dein Herz sei sie von einem kurzen Dokumentarfilm von David Attenborough über den Lyrebird (auf Deutsch: Leierschwanz) inspiriert worden, den sie zusammen mit ihrer Tochter gesehen habe. Sie sei fasziniert gewesen von den Fähigkeiten des Vogels, der alle Geräusche in seiner Umgebung perfekt nachahmen kann, und habe eine Figur mit der gleichen Fähigkeit kreieren wollen. Außerdem seien die Vögel monogam und würden lange nach dem richtigen Partner suchen, deshalb sei auch wieder eine romantische Liebesgeschichte in dem Buch enthalten.

Liebe würde in unterschiedlichen Formen immer eine Rolle in ihren Werken spielen, jedoch nicht immer unbedingt im romantischen Sinne, so wie dieses Mal. Darüber hinaus sei sie fasziniert vom menschlichen Geist und seiner Stärke. Sie wolle zeigen, wie sich Charaktere, die sich zum Anfang einer Geschichte an einem Tiefpunkt befänden, davon befreien und wieder auf die Beine kommen, sich aufrappeln. Das verbinde gewissermaßen all ihre Romane.

Menschliche Beziehungen in all ihren Facetten fände sie ebenfalls äußerst interessant, daher beobachte sie gern andere Menschen. Dabei würde sie allerdings wirklich nur als Beobachterin in Erscheinung treten und nicht unbedingt gut zuhören, denn wie vielen Menschen heutzutage fehle ihr dafür einfach die Zeit.

Spannend finde sie die zwischenmenschlichen Interaktionen vor allem deshalb, weil wir nur dadurch lernen würden, wer wie wirklich sind. Das müsse auch die Protagonistin in So klingt dein Herz erfahren. Sie erlebe zum ersten Mal Situationen, in denen sie zuvor noch nie gewesen sei, da sie nie viel mit anderen Menschen zu tun gehabt habe. Sie mache eine große Veränderung durch und müsse sich schließlich entscheiden, was ihr wichtig sei.

Seit Cecelia Ahern selbst Mutter ist, habe sie viel weniger Zeit für viel mehr Dinge und Vieles in ihrem Leben habe sich verändert. Infolgedessen arbeite sie konzentrierter und habe sich weiterentwickelt. Ihre Art zu schreiben habe sich dadurch sogar verbessert, weil sie ihre neuen Erfahrungen einfließen lasse. Die vielen Fragen, die Kinder stellten, ließen einen mehr über die Welt nachdenken und würden sie persönlich sehr inspirieren, sie auf neue Ideen bringen.

Damit endete das Gespräch nach ca. 20-25 Minuten auch schon, leider ohne dass dem Publikum die Möglichkeit gegeben worden war, Fragen beizusteuern. Anschließend konnte man sich Bücher signieren lassen, wurde jedoch wegen des enormen Zeitdrucks augenblicklich darauf hingewiesen bloß kein Gespräch mit der Autorin anzufangen.

Glücklicherweise hatte ich einen Platz in der ersten Reihe ergattert und stürzte sofort zum Signiertisch, statt wie sonst bis zum Schluss zu warten, um am Ende nicht mit unsignierten Büchern wieder nach Hause zu fahren. Obwohl ich zweifelsfrei als allererstes am Signiertisch stand, hat es zwar dennoch eine andere Frau geschafft sich vorzudrängeln, darauf kam es mir letztlich allerdings nicht an. Zum Glück war ich – wie immer – gut vorbereitet und hatte alle meine Bücher schon mit Post-its mit meinem Namen darauf versehen, sonst hätte ich wohl keine persönliche Widmung bekommen, es wäre nämlich keine Zeit dafür gewesen das vor Ort erst noch vorzubereiten als irgendwann Zettel verteilt wurden.

Außerdem ließ ich es mir natürlich nicht nehmen Cecelia Ahern wenigstens zu sagen, wie begeistert ich von ihrer dystopischen Dilogie war. Zumindest eine Frage konnte ich bei der Gelegenheit ebenfalls noch loswerden. Ja, sie wird auf jeden Fall weitere Jugendbücher schreiben. Für diese Antwort – und die signierten Bücher – hat sich die gehetzte Veranstaltung am Ende immerhin gelohnt.

Okt  19

[Lesung] Angie Thomas

19. Oktober 2017 | 22:45 | Erlebt

Im September 2017 kam die us-amerikanische Autorin Angie Thomas nach Deutschland und stellte unter anderem im Rahmen des 17. Internationalen Literaturfestivals Berlin ihren Roman The Hate U Give vor. Natürlich ließ ich mir die Gelegenheit nicht nehmen die Autorin einmal persönlich zu treffen und eine der Veranstaltungen in der Hauptstadt zu besuchen. So begab ich mich am Abend des 13. Septembers zu der ausgebuchten Lesung in der Stadtteilbibliothek Heinrich von Kleist, zusammen mit zahlreichen anderen Gästen, unter denen sämtliche Altersgruppen vertreten waren.

Nach einer kurzen Einführung durch eine Mitarbeiterin der Bibliothek, übergab diese das Wort an den Moderator Philip Geisler, der nach ein paar einleitenden Sätzen zum Buch sowie zur Autorin ein wunderbares Interview mit Angie Thomas führte. Selten habe ich ein so interessantes, zum Teil wirklich tiefgründiges Gespräch, an dem auch das Publikum mitwirken konnte, bei einer Lesung erlebt, was zumindest teilweise vermutlich der ernsten Thematik von The Hate U Give geschuldet ist.

Angie Thomas erzähle Geschichten schon seit ihrem sechsten Lebensjahr. Wenn ihr das Ende einer Gute-Nacht-Geschichte nicht gefiel, habe sie dieses einfach geändert und sie anders erzählt, zumal sie ohnehin der Ansicht gewesen sei, dass sie das viel besser könne. Heute seien Geschichten für sie zugleich Fenster – in eine andere Welt – und Spiegel, die die eigene Persönlichkeit reflektieren.

An Stelle eines Sachbuchs habe sie mit The Hate U Give einen Roman geschrieben, weil es so viel persönlicher, aber dennoch politisch und sozial, sei und man die Geschichte so viel besser miterleben könne. Wut, Frustration und Betroffenheit hätten sie unter anderem dazu motiviert das Buch zu schreiben. Es habe ihr erlaubt diese Gefühle auszudrücken, wann immer sie mitbekommen habe, dass ein junger Mann oder eine junge Frau von der Polizei getötet worden war. Ein weiterer Antrieb sei die „black lives matter“ Bewegung gewesen. Diese richte sich nämlich nicht gegen die Polizei als solche, sondern gegen Polizeibrutalität/-gewalt. Dieses Missverständnis habe sie ausräumen wollen. Darüber hinaus sei The Hate U Give vielmehr eine persönliche Geschichte als ein „Aktivismus-Buch“.

Literatur spiele ihrer Meinung nach eine große Rolle in der Politik, gerade bei Jugendlichen, die schließlich bald selbst wählen könnten. Sie wolle jetzt deren Mitgefühl wecken und sie die Welt einmal mit anderen Augen sehen lassen – dann würde in vier Jahren vielleicht kein neuer Donald Trump gewählt werden. Literatur habe auch in der us-amerikanischen Bürgerrechtsbewegung schon eine große Rolle gespielt. Sie habe dabei helfen können Afro-Amerikaner menschlicher darzustellen und den Menschen die Augen zu öffnen. Empathie sei stärker als Sympathie und ersteres würden sie in den USA zurzeit dringend brauchen. In Wirklichkeit seien wir nicht so unterschiedlich, wie wir glauben, und Literatur könne uns das klar machen.

Motivation und zugleich Unterstützung habe sie auch durch die Organisation We Need Diverse Books erfahren. Eine Statistik hätte gezeigt, dass es in einem Jahr mehr Neuheiten gab, in denen die Protagonisten Katzen, Hunde oder Fahrzeuge gewesen seien als Afro-Amerikaner, Lateinamerikaner, o.Ä. Von der Organisation habe sie ein Stipendium erhalten und ohne deren Unterstützung würde auf dem Cover ihres Romans wohl kein schwarzes Mädchen zu sehen sein.

Angie Thomas sei als Kind selbst einmal fast in eine Schießerei zwischen zwei Drogendealern geraten. Ihre Mutter habe sie daraufhin in eine Bibliothek gebracht, um ihr zu zeigen, dass es auch ein anderes Leben gebe. Sie habe bisher leider nur wenige Bücher mit schwarzen Protagonisten gelesen, sei allerdings ein riesiger Harry Potter Fan, vor allem wegen der innigen Freundschaften darin.

Die Platzierung ihres Romans auf der Bestsellerliste zeige am besten, dass es durchaus einen Markt für solche Bücher gebe, dass es den Leuten eben nicht egal sei, was sie damit den Verlagen bewiesen habe. Jugendliche würden diese Bücher wollen, sie würden ihnen erlauben ihre eigene Stimme zu finden und genau das bräuchten wir im aktuellen Klima. Soziale Gerechtigkeit sei gerade ein sehr wichtiges Thema. Die Angst vor dem, was es ihnen über sie selbst verraten könne, ist vielleicht der Grund, der manche davon abhalte Bücher über „andere“ zu lesen.

Das Buch zu schreiben sei in der Tat schwierig gewesen, doch sie habe sich erlaubt ihre Emotionen dabei zu fühlen, Wut wie auch Frustration, damit das Buch authentisch werde und die gleiche Wirkung auf andere habe.


Einige Charaktere des Buches würden auf realen Personen basieren. Maverick basiere beispielsweise auf Tupac Shakur, Starrs Mutter und Großmutter seien ein bisschen wie ihre eigene Mutter und Großmutter. Es ähnele aber niemand zu stark einer realen Person, sie habe ja nicht verklagt werden wollen. Sie könne sich durchaus vorstellen eine Vorgeschichte über Big Mav zu schreiben – die Filmleute würden das begrüßen, den Verlag müsse sie erst noch überreden.

Im Anschluss an den ersten Teil des Interviews wurde eine erste Szene aus The Hate U Give auf Deutsch vorgetragen. Diese Aufgabe übernahm die Schauspielerin Regina Gisbertz, die die Szene um Khalils Tod so bewegend vortrug, dass ich tatsächlich Tränen in den Augen hatte.

Daraufhin fokussierte sich das Gespräch noch mehr auf den Inhalt des Buches, den Angie Thomas noch einmal kurz zusammenfasste. Gang-Kultur und Armut seien darin ebenso Themen wie Polizeigewalt; doch auch Liebe und vor allem der starke Familienzusammenhalt würden eine wichtige Rolle spielen. Die Autorin selbst habe viel mit Starr gemeinsam. Sie habe zum Beispiel eine private Universität mit überwiegend weißen, privilegierten Kommilitonen in Mississippi besucht. Sie habe ebenfalls in zwei verschiedenen Welten gelebt, was sich besonders nach dem Tod von Oscar Grant gezeigt habe. Zu Hause hieß es, er sei „einer von ihnen“ gewesen, an der Uni mutmaßten viele, dass er es vielleicht verdient habe. Sein Tod habe viele Diskussionen ausgelöst und letztlich dazu geführt, dass sie mit der Arbeit an The Hate U Give begonnen habe.

In dem Buch gehe es jedoch, wie gesagt, weniger um Aktivismus und mehr darum seine eigene Stimme zu finden und überhaupt zu realisieren, dass man eine habe. Zu oft seien wir nämlich aus reiner Bequemlichkeit heraus still. Es beginne damit mit anderen über seine Gedanken zu sprechen. Ziviler Ungehorsam beginne damit Regeln zu brechen, sei aber ohne Gewalt möglich, wie es schon Martin Luther King bewiesen habe.

The Hate U Give sei deshalb ein Jugendbuch geworden, weil sie Erwachsenenbücher langweilig finde. Sie könne sich jedenfalls nicht vorstellen, welche zu schreiben. Young Adult sei hingegen ein sehr progressives Genre mit vielen Möglichkeiten. Darüber hinaus habe es sich richtig angefühlt über Jugendliche zu schreiben, da diese häufig die Opfer solcher Gewalttaten seien. Eine 16-jährige trage noch mehr Unschuld in sich. Außerdem würden Jugendbüchern ebenso von Erwachsenen gelesen werden, sodass man diese ebenfalls damit erreiche.

Ihre Familie sei für Starr ein Ort der Sicherheit und so gehe es auch der Autorin. Das schließe die Nachbarn im Übrigen ein. Sie habe also reflektieren wollen, dass die Nachbarschaft trotz etwaiger Probleme Teil der Familie sein könne. Ferner habe sie die voneinander getrennten Welten zeigen wollen und dass die sozioökonomische Trennung in den USA oft gleichbedeutend mit einer Rassentrennung sei. In den schönen Vierteln würden oft reiche Weiße leben, in den unschönen Vierteln arme Schwarze, so sei es beispielsweise in ihrer Heimatstadt Jackson.

Bildung sei eines der großen Probleme innerhalb des systemischen Rassismus. Für Schwarze sei es im Vergleich zu Weißen grundsätzlich äußerst schwierig die gleichen Bildungsmöglichkeiten zu erhalten. Auch wenn viele das nicht würden zugeben wollen, seien die Bildungschancen sehr unterschiedlich. Für einen Schwarzen sei es meist leichter in eine Gang aufgenommen zu werden als einen vernünftigen Ausbildungsplatz zu finden.

Vor ihrem großen Erfolg als Autorin habe sie Mississippi, geschweige denn die USA, kaum verlassen. Durch den Roman könne sie jetzt viel reisen. Verändert habe sich überdies ihr Alltag. Sie würde jetzt nicht mehr in den Supermarkt gehen, ohne sich vorher Gedanken um ihr Aussehen zu machen, das sei ihr jetzt, da sie unter Umständen von anderen erkannt würde, nicht mehr egal.

Auf die Frage aus dem Publikum, was Weiße an ihrem Verhalten ändern sollten, antwortete sie, dass sie mehr zuhören und Probleme nicht einfach kleinreden oder als Überreaktion abtun sollten. Prinzipiell gehe es nicht um die bloße Feststellung, dass jemand eine andere Hautfarbe habe, sondern um die Reaktion auf diesen Umstand. Das Buch solle es anderen ermöglichen für kurze Zeit in der Haut von jemand anderem zu schlüpfen, um zu erleben, wie es jemandem aus einer Minderheit im täglichen Leben ergehe. Man müsse Rassismus als existent anerkennen und dürfe nicht einfach die Augen davor verschließen.

Trump repräsentiere den schlimmsten Teil Amerikas und sie habe ihn natürlich nicht gewählt. Sie sei aber auch nicht überrascht darüber gewesen, dass er die Wahl gewonnen hat. Viele Leute hätten sich mit Obama unwohl gefühlt und vor allem eine Veränderung gewollt. Dafür sehe sie nun mehr Leute, die sich dagegen zur Wehr setzen. Mehr Leute würden die Regierung nun verstehen und daran teilhaben wollen und das gebe ihr Hoffnung. Es seien vor allem Weiße gewesen, die sein Sieg so überrascht habe. Jene habe das vorher nicht so stark betroffen wie die afro-amerikanische Bevölkerung, die sich täglich mit solchen Problemen auseinandersetzen müsse, und würden nun gezwungen werden sich ebenfalls damit zu beschäftigen.


Menschen, die sich für Schwarze stark machten, würden in offiziellen Berichten oft als Widersacher dargestellt werden, während diese Menschen für Angie Thomas vielmehr Helden seien. Sogar Martin Luther King sei zu Lebzeiten als Feind betrachtet worden, während sie damit aufgewachsen sei einen Helden in ihm zu sehen.

Mit Starrs Vater wehre sie sich auch gegen das Stereotyp, dass die Väter in schwarzen Familien meist abwesend seien, obschon so etwas natürlich vorkomme. Es gebe jedoch weit mehr schwarze Väter, die sich liebevoll um ihre Familien kümmern, als es die Medien weismachen wollen.

Auf eine Frage aus dem Publikum hin räumte sie ein die TV-Serie Insecure zu kennen, das Staffelfinale allerdings noch nicht gesehen zu haben. Sie hoffe, dass ihre Leser genauso divers seien wie die Zuschauer der Serie. Eine ältere, weiße Frau, die von einem Rassisten großgezogen worden sei, habe ihr beispielsweise geschrieben, dass The Hate U Give ihr die Augen geöffnet habe.

Sie würde sich geehrt fühlen, wenn ihr Roman in amerikanischen Schulen auf Leselisten käme, was zum Teil wohl schon geschehen sei.

Es folgte eine zweite, etwas kürzere Szene aus dem Buch, wieder wunderbar vorgetragen von Regina Gisbertz, in der Starr sich entscheiden muss, ob sie vor der Jury aussagen will.

Anschließend beantwortete die Autorin noch ein paar letzte Fragen, unter anderem auch zum Titel des Buches. Es sei benannt nach einem Tattoo von Tupac – Thug Life, die Abkürzung für „The Hate U Give Little Infants Fucks Everbody“. Dass „U“ an Stelle von „You“ sei somit durchaus Absicht, die Anfangsbuchstaben ergeben dann senkrecht gelesen nämlich das Wort „Thug“. Es habe sich richtig angefühlt, das als Titel zu verwenden. Zur Bedeutung sagte sie, der Hass, den man Kindern mitgebe, beeinflusse die gesamte Gesellschaft. Oft gebe man den Opfern ja sogar die Schuld an ihrem eigenen Tod. Außerdem habe sie das Wort „Thug“ in einen neuen Kontext setzen wollen.

Hip-Hop habe sie stark geprägt und ihr etwas gegeben, in dem sie sich wiederfinden konnte, als Bücher es ihr nicht ermöglichten. Eine Art Spiegel. Sie habe sich selbst in Tupacs Songs gesehen. Hip-Hop sei zudem sozusagen das CNN der amerikanischen (Vor-)Städte. Über viele Vorkommnisse in den Städten wüsste man sonst gar nicht Bescheid, weil in den regulären Nachrichten nicht darüber berichtet würde.

Das Musical Hamilton habe sie noch nicht gesehen. Es störe sie jedoch, dass viele Leute so täten, als wäre das zugleich Anfang und Ende des Hip-Hops, obwohl es diese Musikrichtig schon lange vorher gab. Des Weiteren zeige das Musical thematisch nichts Unbequemes, sonst würden die Reaktionen darauf sicher anders ausfallen. Aber immerhin bringe es den Hip-Hop einem neuen Publikum näher.

Damit war das aufschlussreiche Gespräch leider schon zu Ende. Es wurde viel applaudiert und allen Verantwortlichen für die Organisation gedankt. Die Mitarbeiter der Bibliothek verteilten kleine Geschenke an den Moderator, die Sprecherin sowie die Dolmetscherin, die die Fragen an sowie die Antworten der Autorin die ganze Zeit über sehr gelungen übersetzte. Angie Thomas bekam natürlich ebenfalls eine Kleinigkeit geschenkt und war sichtlich, um nicht zu sagen zu Tränen, gerührt.

Zum Abschluss signierte sie selbstverständlich noch zahlreiche Bücher und stand für Photos zur Verfügung. Ihre Fans nutzten die Gelegenheit oftmals nicht nur um sich ihre Ausgabe widmen und unterzeichnen zu lassen, sondern auch um der Autorin noch einmal persönlich für das Buch zu danken, worüber diese sich offenkundig jedes Mal sehr freute. Generell machte Angie Thomas einen unheimlich sympathischen Eindruck, weshalb ich jederzeit wieder die Chance ergreifen würde an einer solchen Veranstaltung teilzunehmen. Vielleicht kommt sie ja anlässlich der Veröffentlichung eines anderen Romans – denn Schreiben wird sie garantiert weiterhin – in ein paar Jahren noch einmal nach Deutschland.

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