[Rezension] Monstress – Die Zuflucht

04. Mai 2019 | 23:50 | Gelesen

Titel: Monstress – Die Zuflucht
Autor: Marjorie Liu
Originaltitel: Monstress – Haven
Erstveröffentlichung: 2018
Übersetzer: Michael Schuster


Wissenswertes

Monstress – Die Zuflucht ist ein Graphic Novel der us-amerikanischen Roman- und Comicautorin Marjorie Liu, deren meist phantastische Geschichten sich häufig durch starke und übernatürlich veranlagte Heldinnen auszeichnen. Für Marvel schrieb sie unter anderem für die Serien X-23, Black Widow, Dark Wolverine und Astonishing X-Men.

Die Zeichnungen stammen von der japanischen Illustratorin und Comiczeichnerin Sana Takeda, die sich bereits im Alter von 25 Jahren selbstständig machte und seitdem als freischaffende Künstlerin arbeitet. Durch ihre Arbeit für Marvel an den Serien X-23 sowie Ms. Marvel lernte sie Marjorie Liu kennen, die ihr einige Jahre später schließlich das Angebot machte bei diesem Projekt erneut zusammenzuarbeiten.

Monstress – Die Zuflucht ist zudem der dritte Band einer Serie, die bislang drei Bände umfasst, wobei die jeweiligen Kapitel in den USA zunächst als einzelne Comics erscheinen und dann später noch einmal in Sammelbänden mit je sechs Kapiteln veröffentlicht werden. Alle bisher erhältlichen Sammelbände wurden inzwischen auch ins Deutsche übersetzt.

Inhalt

Maika und ihre Gefährten sind weiterhin auf der Flucht vor den Blutköniginnen und anderen Jägern, die es auf sie abgesehen haben. Sie schaffen es gerade so nach Tränenfall, ein Flüchtlingslager in den Gewässern von Pontus, und die Stadt ist bereit ihnen Unterschlupf zu gewähren, solange ihnen der Rückweg versperrt ist, verlangt dafür aber eine Gegenleistung. Als Bluterbin der Schamanenkaiserin soll Maika den von ihr vor hunderten von Jahren entwickelten Schild aktivieren, der Pontus im letzten Krieg vor der Zerstörungswut seiner Feinde beschützt hat. Maika ist von diesem Deal zwar nicht gerade begeistert, doch wenn sie überleben will, wird sie lernen müssen sich Verbündete zu suchen, bevor die ganze bekannte Welt sich gegen sie stellt …

Kritik

Monstress – Die Zuflucht ist eine packende, ereignisreiche Fortsetzung, die viele neue Erkenntnisse liefert, sowohl über die komplexe Welt, die Marjorie Liu erschaffen hat, als auch über die Charaktere, die darin leben. Trotzdem bleiben natürlich weiterhin zahlreiche Fragen offen, deren Antworten man herbeisehnt.

Das Monster, das in Maika lebt, hat inzwischen einen Namen – Zinn – und ist nicht nur immer öfter wach, sondern nimmt mittlerweile eine konkretere Gestalt an. Dennoch bleibt er mit Maika verbunden und kann ohne sie vermutlich nicht existieren. Es ist sehr interessant Zinn nun auch als Charakter kennen zu lernen, nicht nur als Monster. Ihm fehlen allerdings nach wie vor viele Erinnerungen, sodass einige Dinge ungeklärt bleiben. Auf jeden Fall war Zinn der Gefährte der sagenumwobenen Schamanenkaiserin, über die man nun ebenfalls etwas mehr erfährt. Maika trägt ihr Blut in sich und kann daher womöglich sogar die einzigartigen Erfindungen in Gang setzen, die Tausend Jahre überdauert haben.

Die Prophezeiung um Maika schlägt im Verlauf der Handlung eine neue Richtung ein und hat vielleicht eine andere Bedeutung als bisher gedacht. Außerdem rückt die Maske weiter in den Mittelpunkt und man fragt sich, was genau es mit ihr auf sich hat. Immer mehr Figuren sind auf der Suche nach den einzelnen Fragmenten, doch was geschieht, wenn man alle Teile zusammensetzt? Darüber hinaus könnte es eine Rolle spielen, wem das gelingt, denn auf Maika hat die Maske scheinbar eine völlig andere Wirkung als auf andere.

Wegen der anhaltenden Jagd auf Maika bekämpfen sich einige Arkane gegenseitig, anstatt sich auf den bevorstehenden Krieg gegen die Föderation der Menschen vorzubereiten, der wiederum der Grund dafür ist, dass die eigentlich verfeindeten Höfe der Abend- und Morgendämmerung eine Allianz in Betracht ziehen. Diese Ereignisse bekommt man aber nur am Rande mit, da Maika nicht aktiv an diesem Geschehen beteiligt ist und die meisten Szenen sich hauptsächlich um sie drehen. Nur gelegentlich kann man einen Blick auf die Fäden erhaschen, die im Hintergrund gezogen werden und Auswirkungen auf den Verlauf der Geschichte haben.

Zusätzlich zu einem neuen Schauplatz in Gestalt des überaus faszinierenden Pontus, kommen wieder zahlreiche neue Kreaturen und Charaktere hinzu, während bisher kaum ausgestaltete Nebenfiguren näher beleuchtet werden. Offenbar gibt es mehr als eine Figur, die ebenfalls mit einer Kreatur wie Zinn verbunden ist, anders als bei Maika scheinen seine Geschwister ihre sterblichen Wirte jedoch vollkommen zu verschlingen. Die Katze Ren und seine Art bleiben indessen ein großes Rätsel. Sie scheinen einen eigenen Plan zu verfolgen, nur welchen? Auf jeden Fall spioniert Ren für sie.

Das kleine Fuchsmädchen Kippa bekommt, sehr zur Freude des Lesers, im dritten Band viel mehr Raum, um sich als Figur zu entfalten. Man erfährt etwas mehr über ihre Vergangenheit und ihre eigenen Wünsche und Ziele. Sie ist ebenfalls sehr mutig und definitiv nicht länger nur Maikas zunächst unliebsames Anhängsel. Allerdings hat Maika das liebenswerte Fuchsmädchen inzwischen so sehr ins Herz geschlossen, dass sie es unbedingt vor Gefahren schützen will, auch wenn sie das sicher nie offen zugeben würde.

Die Fragen, die am Ende des zweiten Bandes aufkamen, werden noch nicht aufgelöst, die Spannung wird diesbezüglich somit weiter gesteigert. Zudem endet der dritte Teil erstmals mit einem richtigen Cliffhanger, der das Warten auf den nächsten Band umso schwerer macht. Über den Vater von Maika wurde bisher nur gesprochen und das nicht sehr ausführlich, aber es beschleicht einen das Gefühl, dass er bald eine größere Rolle spielen könnte oder gar selbst in Erscheinung treten wird.

Neben der einzigartigen Geschichte macht insbesondere das fantastische Artwork von Sana Takeda diesen Graphic Novel weiterhin zu einem wahren Highlight. Die dunklen Farben unterstützen die düstere Atmosphäre und der detailreiche, aufwendige Stil der Künstlerin macht die verschiedenen Panels ausgesprochen sehenswert. Selbst die Hintergründe werden von ihr stets ausgearbeitet. Man nimmt sich gern Zeit, um die Zeichnungen intensiv zu betrachten und genießt es lieber diesen wunderschönen Graphic Novel Seite für Seite zu lesen, statt eilig durch die fesselnde Geschichte zu hetzen. Dafür lohnt es sich so lange auf den nächsten Band warten zu müssen, denn Qualität braucht eben Zeit.

Am Ende eines jeden Kapitels erwartet den Leser im Übrigen wie bisher eine Seite mit ausführlichen Informationen über die bekannte Welt und ihre Geschichte, die sich nicht so einfach in das aktuelle Geschehen integrieren lassen, doch wichtig und hilfreich sind, um gewisse Zusammenhänge zu verstehen.

Fazit

Monstress – Die Zuflucht ist eine fantastische, niemals langweilige Fortsetzung, die man sich als Fan dieser außerordentlich empfehlenswerten Reihe garantiert keinesfalls entgehen lassen wird. Wer Monstress nicht kennt, verpasst etwas, denn Marjorie Liu und Sana Takeda haben damit zweifellos die beste Graphic Novel Reihe erschaffen, die man aktuell in die Finger bekommen kann.





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