[Rezension] Der schwarze Thron – Die Königin

29. Juni 2018 | 23:58 | Gelesen

Titel: Der schwarze Thron – Die Königin
Autorin: Kendare Blake
Originaltitel: One Dark Throne
Erstveröffentlichung: 2017
Übersetzerin: Charlotte Lungstrass-Kapfer


Wissenswertes

Der schwarze Thron – Die Königin ist der neueste Roman der südkoreanischen, aber in den USA aufgewachsenen, Autorin Kendare Blake. Sie schreibt vor allem für Jugendliche bzw. Junge Erwachsene, hat ein Herz für Tiere und interessiert sich für griechische Mythologie.

Der schwarze Thron – Die Königin ist zudem der zweite Band einer Tetralogie. Der dritte Teil, Two Dark Reigns, erscheint im September dieses Jahres in den USA, der vierte Band soll im Jahr darauf folgen.

Darüber hinaus ist unter dem Titel Queens of Fennbirn im April dieses Jahres ein Taschenbuch erschienen, dass die zwei zuvor nur als eBook veröffentlichten Novellen mit den Titeln The Oracle Queen und The Young Queens enthält, die beide lange vor der Geburt der Drillinge Mirabella, Katharine und Arsinoe spielen.

Inhalt

Das Jahr des Aufstiegs hat begonnen und nahezu die gesamte Bevölkerung der Insel Fennbirn wartet nun darauf, dass die drei königlichen Schwestern Mirabella, Arsinoe und Katharine sich solange bekämpfen, bis nur noch eine von ihnen übrig ist, die daraufhin den Thron besteigen kann. Doch das Blatt hat sich seit den verhängnisvollen Ereignissen an Beltane gewendet: Katharines Gabe ist zwar noch immer nicht erwacht, trotzdem ist sie längst nicht mehr die schwächste Schwester unter den Drillingen. Arsinoe hat eine unerwartete Gabe entdeckt, die sie nun heimlich trainiert und hoffentlich irgendwann zu ihrem Vorteil einsetzen kann. Mirabella, die starke Elementwandlerin, muss endlich herausfinden, ob sie wirklich bereit ist ihren geliebten Schwestern das Leben zu nehmen, wie der Tempel es seit jeher von ihr erwartet …

Kritik

Mit Der schwarze Thron – Die Königin hat Kendare Blake eine wahrlich fesselnde Fortsetzung geschrieben, die vielleicht sogar noch besser ist als ihr Vorgänger. Die Atmosphäre ist nach wie vor ziemlich düster und die Geschichte fängt wieder etwas ruhiger an. Das macht sie jedoch nicht weniger mitreißend, zumal die Spannung die ganze Zeit über kontinuierlich gesteigert wird.

Der Kampf um den Thron hat begonnen und spitzt sich im Verlauf der Handlung immer weiter zu. Die drei Schwestern werden mehr und mehr zu Schachfiguren in einem perfiden Spiel um Macht, das von anderen gespielt wird, bis es schließlich im Chaos endet, weil die Schwestern sich nicht so verhalten, wie man es von ihnen erwartet, sondern ihrem eigenen Herzen folgen und dadurch einige sorgsam geschmiedete Pläne zunichtemachen. Es gibt viele unerwartete Wendungen und Überraschungen, mit denen man so nie gerechnet hätte. Einige Geheimnisse werden enthüllt, genügend andere Rätsel bleiben hingegen ungelöst.

Durch den allwissenden Erzähler hat man fast alle Ereignisse fortwährend gut im Blick, was die Spannung allerdings nicht schmälert, da die Autorin die Perspektiven oftmals in besonders aufregenden Augenblicken wechselt und daraus resultierende Fragen erst zu einem späteren Zeitpunkt auflöst. Trotz der gleichbleibend distanzierten Erzählweise fühlt man sich vielen Charakteren inzwischen zudem stärker verbunden.

Die meisten Figuren, insbesondere natürlich die Protagonistinnen, entwickeln sich merklich weiter; manche positiv, andere eher negativ. Es hat sich seit dem ersten Band viel verändert und keine der Schwestern könnte nun noch als schwach bezeichnet werden. Der Druck, der auf den Königinnen lastet, nimmt spürbar zu und sie sind immer häufiger gefährlichen Begegnungen ausgesetzt.

Vor allem Katharine ist kaum wiederzuerkennen, denn sie ist sowohl optisch als auch charakterlich nicht mehr sie selbst – im wahrsten Sinne. Der Sturz in die Brecciaspalte hat sie enorm verwandelt und sehr grausam, um nicht zu sagen skrupellos, werden lassen, weshalb sie noch immer die Schwester ist, die man als Leser am wenigsten mag. Katharines Gabe mag nicht erwacht sein, doch sie versteht sich nicht nur gut auf das Mischen von Giften, sondern ist nebenbei sehr begabt im Umgang mit (vergifteten) Waffen, sodass sie auch ohne Gabe durchaus in der Lage ist ihren Schwestern gefährlich zu werden. Schlimmer noch, sie kann es im Grunde kaum erwarten Mirabella und Arsinoe zu töten, will diese dabei zusätzlich demütigen und teilweise sogar leiden sehen, was man in keinster Weise nachvollziehen kann. Obwohl sie mehrfach behauptet Gnade walten zu lassen, lässt sie ihren Worten keine Taten folgen bzw. lässt ihr Verhalten eigentlich eher auf das Gegenteil schließen.

Im Gegensatz dazu wehrt sich Mirabella trotz einer ähnlichen Erziehung – sie wurde ebenfalls ihr Leben lang darauf vorbereitet ihre Schwestern zu töten – gegen ihre angebliche Bestimmung, zumindest nachdem sie die Wahrheit über den Angriff des Bären an Beltane erfahren hat. Gleiches gilt mehr oder weniger für Arsinoe. Keine von ihnen möchte sterben, beide sind aber auch nicht gerade erpicht darauf das Leben ihrer Schwestern zu beenden, was sie weiterhin sehr sympathisch macht. Arsinoe schwebt außerdem wieder mehrfach in Lebensgefahr, doch die Göttin scheint ihren Tod aus irgendeinem Grund (noch) zu verhindern.

Ferner spielen die zahlreichen Nebencharaktere weiterhin eine entscheidende Rolle. Einige von ihnen sind intrigant, nur auf den eigenen Vorteil bedacht und fallen anderen unverhofft in den Rücken; manche sind dagegen loyale Freunde, auf die man sich verlassen kann und auf die man keinesfalls verzichten möchte. Vor allem Billy ist ausgesprochen liebenswert. Zum einen entspricht sein Festlanddenken wohl am ehesten dem Empfinden des Lesers, zum anderen ist er einer der wenigen, die diese blutigen Traditionen und Rituale schrecklich finden und nicht bereit sind all das einfach hinzunehmen. Ebenso zwiespältig steht man daher den mitunter völlig unerwarteten Verlusten gegenüber: Einige sind einem völlig gleichgültig, andere schmerzen hingegen sehr.

Die letzten Kapitel sind noch einmal besonders packend. Der Ausgang ist völlig anders als gedacht und steckt voller überraschender Entwicklungen, interessanter wie auch trauriger, die zum Teil neue Fragen aufwerfen. Ein paar Charaktere bekommen Hilfe von unerwarteter Seite, wodurch man als Leser Bekanntschaft mit einer neuen, faszinierenden Gruppe macht, über die man im dritten Band dann hoffentlich mehr erfährt. Darüber hinaus wird man mit der plötzlichen Trennung zweier sich sehr nahestehenden Charaktere konfrontiert.

Fazit

Der schwarze Thron – Die Königin ist eine überaus gelungene Fortsetzung, nach deren Lektüre man sich bereits auf die Rückkehr in die faszinierende Welt von Fennbirn freut, denn Kendare Blake stellt dem Leser am Ende einen vielversprechenden dritten Band in Aussicht, den man kaum noch erwarten kann.





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