[Rezension] Urbat – Der verlorene Bruder

20. September 2011 | 20:38 | Gelesen

Titel: Urbat – Der verlorene Bruder
Autorin: Bree Despain
Originaltitel: The Lost Saint
Erstveröffentlichung: 2010
Übersetzer: Andreas Brunstermann


Wissenswertes

Urbat – Der verlorene Bruder ist der zweite Band einer Jugendbuchserie, deren Vorgänger gleichzeitig auch der Debüt-Roman der amerikanischen Autorin Bree Despain war.

Mittlerweile wurde die Serie in über 10 Ländern veröffentlicht und konnte große Erfolge erzielen. Der letzte Teil, The Savage Grace, erscheint im März des kommenden Jahres in den USA.

Die Filmrechte am ersten Teil, Urbat – Die dunkle Gabe, wurden bereits verkauft.

Inhalt

Das Leben von Grace Divine hat sich durch den Vorfall in der Kirche vor knapp zehn Monaten schlagartig verändert. Sie konnte Daniel vom Fluch des Wolfes befreien, sie selbst wurde dabei allerdings von ihrem Bruder Jude infiziert, der seitdem verschwunden ist. Während ihr Vater immer wieder verreist um nach seinem ältesten Sohn zu suchen und ihn nach Hause zurück zu bringen, wechselt die Stimmung ihrer Mutter ständig von manischer Depression zur alles kontrollierenden Übermutter und wieder zurück, was den Alltag für keines der Familienmitglieder leichter macht.

Damit Grace nicht wie ihr Bruder ebenfalls dem Fluch zum Opfer fällt, will sie mit Daniels Hilfe lernen den Wolf in sich sowie ihre damit verbundenen Fähigkeiten zu kontrollieren, was ihr noch nicht so recht gelingen will.
Eigentlich wollte sie die Suche nach Jude daher auch ihrem Vater überlassen, doch dann erhält sie einen mysteriösen Anruf von ihrem Bruder. Er sagt ihr, sie würde in großer Gefahr schweben und warnt sie vor einer Person, die zwar vertrauenswürdig scheint, es aber nicht ist. Aber noch überraschender als der Anruf selbst ist die Tatsache, wessen Handy er dafür benutzt hat: Daniels.

Noch am selben Abend gibt es einen Überfall auf den Supermarkt in der Stadt. Der gesamte Laden wurde demoliert und das binnen weniger Minuten. Es kann unmöglich allein von Menschenhand vollbracht worden sein. Wer also hat den Markt überfallen? Und noch viel wichtiger: War Jude vielleicht daran beteiligt?

Kritik

Urbat – Der verlorene Bruder ist eine Fortsetzung, die im Gegensatz zu so vielen anderen Mittelteilen einer Trilogie nicht etwa schwächer ist, sondern seinen Vorgänger sogar noch übertrifft. Schon der Prolog weckt die Neugier des Lesers und schafft eine gefährliche Atmosphäre mit düsteren Vorahnungen, die sich daraufhin durch das gesamte Buch zieht. Man möchte unbedingt wissen, was es mit den geheimnisvollen Geschehnissen, die im Prolog nur sehr kurz und knapp angedeutet werden, auf sich hat und um welche Figuren es sich darin handelt bzw. welche Charaktere in großer Gefahr schweben sollen.

Bree Despain versorgt den Leser vom ersten Kapitel an sowohl mit Spannung als auch mit der gewissen Portion Romantik zwischen Daniel und Grace. Judes Anruf gibt Raum für viele Spekulationen und wirft etliche Fragen auf, die natürlich erst im Verlauf der Handlung beantwortet werden. Was ist mit Jude geschehen? Wo hält er sich auf? Und, vor allem, vor wem warnt er seine Schwester so eindringlich?

Hinzu kommen die vielen Überfälle auf diverse Geschäfte, die mit ungeheurer Kraft und jeweils in nur wenigen Minuten verübt wurden, was schließlich nur einen Schluss erlaubt: Es sind keine Menschen am Werk gewesen, jedenfalls nicht nur. Die Frage ist aber, ob auch Jude etwas damit zu tun hat und sich damit ganz in der Nähe seiner Familie aufhält.

Neben der Sorge um Jude gibt es allerdings noch einen entscheidenden anderen Konflikt in diesem zweiten Teil: die Veränderung, die Grace durchmacht. Während Daniel sich nach seiner eigenen Heilung ein völlig normales Leben wünscht, möchte Grace ihre neuen Kräfte nicht ignorieren, sondern sinnvoll nutzen.
Es ist besonders interessant zu beobachten, wie Grace ihre neuen Fähigkeiten entdeckt und durch die Ich-Perspektive kann man auch ihren inneren Zwiespalt sehr gut nachempfinden. Einerseits möchte sie die Kräfte ausleben, die sie entwickelt, um mit ihnen Gutes zu bewirken, andererseits weiß sie auch um die Gefahr, sich dadurch an den Wolf zu verlieren, was sie jedoch noch nicht ernst genug nimmt. Dies kann man sehr gut verstehen, denn wer würde nicht trotz des Risikos die Fähigkeiten ausprobieren wollen, die man schon unter der Oberfläche schlummern spüren kann?

Leider führt diese Einstellung schließlich auch zu einer gewissen Distanz zwischen ihr und Daniel, weil sie ihn nicht mehr in ihre Vorhaben einweihen kann, da sie weiß, dass er sie daran hindern würde. Sie trägt jedoch nicht allein die Schuld daran, denn auch Daniel hat wieder Geheimnisse vor Grace und verschweigt ihr einiges, worüber sich natürlich auch der Leser so seine Gedanken macht.

Außerdem ist es noch besonders interessant zu sehen, wie Grace den Wolf schließlich doch immer stärker in sich spürt. Im ersten Band erfuhr man darüber nur etwas aus Daniels Erzählungen, im zweiten Teil kann man nun hautnah miterleben, wie der Wolf die Gedanken einer Person beeinflusst und diese immer mehr zu verändern versucht um endlich ausbrechen zu können.

Die Einführung eines neuen Charakters – Talbot – sorgt ebenfalls für ein paar tolle Momente und gibt dem Leser einige Rätsel auf, denn Talbot ist nur schwer zu durchschauen. Vor allem seine Gefühle für Grace, also ob er nur Freundschaft oder doch etwas mehr für sie empfindet, so wie seine wahren Absichten wecken die Neugier des Lesers, da man bis zum Schluss nicht weiß, was er wirklich im Schilde führt.

Etwas schade ist lediglich, dass man bezüglich Judes Warnung vor einer nur scheinbar vertrauenswürdigen Person ziemlich schnell einen Verdacht hegt, um wen es sich dabei handeln könnte, und eigentlich nur noch gespannt auf die Bestätigung wartet. Das schmälert den Lesegenuss aber nicht, denn es gibt noch genügend andere ungeahnte Wendungen, mit denen es Bree Despain gelingt den Leser zu überraschen.

Insbesondere das Ende ist für den Leser nicht nur völlig unerwartet, sondern schon fast ein Schlag ins Gesicht. Wenn man die letzte Zeile erreicht, kann man gar nicht fassen, dass es das schon gewesen sein soll. Das Ende kommt so plötzlich daher und ist dabei noch so schockierend, wie bei keinem anderen Buch zuvor. Einen so fiesen Cliffhanger gab es selten in der Literatur, vielleicht sogar noch nie, und das Warten auf den letzten, erlösenden Band wird damit nicht nur qualvoll, sondern absolut unerträglich!

Fazit

Urbat – Der verlorene Bruder ist nicht nur eine gelungene Fortsetzung, sondern eine ganz fantastische, die ihren Vorgänger sogar noch übertrifft. Es ist spannend – von der ersten bis zur letzten Seite – und Bree Despain schafft es nicht nur den Leser zu überraschen, sondern auch ihn völlig zu schockieren.

Nach dem bereits wundervollen Vorgänger ist es wahrscheinlich kaum möglich noch länger mit dem Lesen dieses zweiten Teils zu warten. Doch man sollte sich auf den gemeinsten Cliffhanger aller Zeiten gefasst machen! Keine andere Fortsetzung wird man im kommenden Jahr so sehnlich erwarten wie den letzten Band dieser fesselnden Trilogie!





Kommentare

  1. Schöne Rezension! Jetzt bin ich noch gespannter auf das Buch, werde es wohl nach “Lola and the Boy Next Door” in Angriff nehmen. ^_^

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