[Rezension] Firmin – Ein Rattenleben

25. August 2009 | 23:35 | Gelesen

Titel: Firmin – Ein Rattenleben
Autor: Sam Savage
Originaltitel: Firmin – Adventures of a Metropolitan Lowlife
Erstveröffentlichung: 2008
Übersetzer: Susanne Aeckerle, Marion Balkenhol


Wissenswertes

Der Debutroman von Sam Savage erzählt durch die Ich-Perspektive die Geschichte von Firmin, einer intelligente Ratte, die nach und nach ihre Liebe zur Literatur entdeckt. Dadurch unterscheidet er sich jedoch stark von seinen Artgenossen und ist fast sein ganzes Leben lang einsam.

Trotz seines Intellekts bleibt er eine Ratte, die eben nicht sprechen kann, wodurch er niemandem sagen oder wirklich zeigen kann, dass er nicht mit den gewöhnlichen Ratten gemein hat.

Inhalt

Schon seit seiner Geburt unterscheidet sich Firmin von seinen anderen Artgenossen. Als 13. Rattenkind des Wurfes war er schon immer etwas schwächer und konnte sich somit nicht gegen seine 12 Geschwister durchsetzen. Erst wenn sowohl seine Mutter, die fast immer betrunken nach Hause kam, weil sie die Bierpfützen auf den Bordsteinen ausgeleckt hatte, als auch seine Geschwister ihren Rausch ausschliefen, konnte er manchmal noch die letzten Tropfen Milch aus ihren Zitzen saugen. Allerdings war es nie genug und von einem ständigen Hungergefühl geplagt begann er, die Papierfetzen zu fressen, die seine Mutter zum Nestbau im Keller eines Buchladens benutzt hatte.

Als keine Fetzen mehr übrig sind, wagt er sich hinaus in den Keller und nagt von nun an viele Bücher an und kann sogar ihren Geschmack unterscheiden. Später bemerkt er jedoch, dass Bücher noch weitaus mehr zu bieten haben als nur das Hungergefühl zu vertreiben und er beginnt sie zu lesen.

Zunächst verschlingt er alle Bücher aus dem Keller und später dann auch die aus dem Buchladen selbst. Im Gegensatz zu seinen Geschwistern, die einer nach dem anderen das Nest verlassen und in die Welt hinaus gezogen sind, beschließt Firmin in der Buchhandlung zu bleiben, wo er seine Zeit damit verbringt, die Bücher zu lesen und den Inhaber Norman zu beobachten.

Um der Realität zu entgehen, flieht er oft in eine Fantasiewelt, in der er an fremde Orte reißt, Freunde hat oder selbst Schriftsteller ist. Er erschafft sich auch ein ganz eigenes Bild des Inhabers, welches zerstört wird, als dieser Ratten-Ex verteilt, nachdem er Firmin das erste Mal gesehen hat.

Zutiefst verletzte versucht er nun, mit einem anderen Menschen Kontakt aufzunehmen, wodurch er schließlich Jerry trifft, bei dem er für lange Zeit lebt. Doch auch diesem kann er nicht wirklich klar machen, dass er keine normale, dumme Ratte ist.

Kritik

Angezogen von dem wunderschönen Cover und der tollen Aufmachung des Buches, musste ich es einfach lesen. Leider muss ich sagen, dass diese fast besser ist als der Inhalt. Firmin ist auf keinen Fall ein schlechtes Buch, aber eben auch kein richtig gutes. Das merkte ich schon daran, dass ich meistens nur ein Kapitel las und es dann erst einmal wieder beiseite legte.

Die Idee, das Leben aus der Sicht einer Ratte zu schildern ist durchaus interessant und schön zu lesen. Man hat vor allem Mitleid mit Firmin, weil er sehr einsam ist und niemandem zeigen kann, dass er intelligenter ist als andere seiner Art. Auch seine Liebe zur Literatur und der Bezug zu anderen literarischen Werken ist wirklich schön zu lesen.

Allerdings gibt es auch Stellen, die man gar nicht unbedingt lesen will, wie z.B. seine Leidenschaft für hübsche Frauen (menschliche Frauen) und den damit verbundenen Sex-Fantasien. Während des Lesens mag man vielleicht manchmal vergessen, dass Firmin kein Mensch sondern eine Ratte ist, aber die Beschreibungen von einer Ratte, die sich diese Art von Körperkontakt mit Frauen vorstellt und auch beschreibt – für meinen Geschmack manchmal etwas zu ausführlich – ist schon irgendwie pervers.

Nichtsdestotrotz ist Firmin die meiste Zeit über sympathisch und man fühlt mit ihm mit, was dem Buch einen gewissen Charme verleiht.

Fazit

Wer die Liebe zur Literatur in den Vordergrund stellt und sich nicht an Firmins Phantasien stört, wird sicher seine Freude an dem Buch haben. Man sollte aber nicht zu viel erwarten.





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