[Rezension] When We Dream (Hörbuch)

11. November 2020 | 22:10 | Gehört

Titel: When We Dream
Autorin: Anne Pätzold
Übersetzer: Originalsprache
Sprecherin: Leonie Landa
Spieldauer: 9 Std. 30 Min. (ungekürzt)


Wissenswertes

When We Dream ist der Debütroman der deutschen Autorin und gelernten Buchhändlerin Anne Pätzold, die neben Büchern auch Bananenbrot und die südkoreanische Kultur zu ihren großen Leidenschaften zählt. Aktuell lebt und arbeitet sie in Hamburg.

When We Dream ist zudem der Auftakt zu einer Trilogie. Der zweite Band, When We Fall, ist bereits im August dieses Jahres erschienen. Der finale dritte Band wird den Titel When We Hope tragen und im Dezember 2020 folgen.

Inhalt

Seit dem Tod ihrer Eltern lebt die 19-jährige Ella zusammen mit ihrer kleinen Schwester Liv bei ihrer ältesten Schwester Mel in Chicago. Wenn sie nicht gerade an der Uni ist oder nebenbei im Museum jobbt, verbringt sie ihre Zeit am liebsten mit einem Buch oder ihrem Zeichenblock in ihrem Zimmer. Als sie ihre kleine Schwester auf deren Wunsch zu einem Konzert begleitet, hat sie dementsprechend auch keine Ahnung, dass der junge Mann, den sie dort kennen lernt und der ihr Herz kurze Zeit später mit jeder Nachricht höher schlagen lässt, kein gewöhnlicher Fremder aus Chicago ist. Jae-yong wohnt eigentlich tausende von Meilen entfernt und ist Mitglied in einer der bekanntesten K-Pop-Bands der Welt …

Kritik

When We Dream ist ein schöner, unterhaltsamer Liebesroman für zwischendurch, der trotz der volljährigen Protagonisten allerdings mehr an Young Adult als an New Adult erinnert, was unter anderem an der recht keuschen Beziehung von Ella und Jae-yong liegt, zwischen denen es im gesamten Verlauf der Geschichte nicht wirklich zu körperlicher Intimität kommt.

Demzufolge gibt es natürlich keine erotischen Szenen, wie man sie normalerweise von New Adult Romanen gewohnt ist. Generell wirken die zwei Hauptfiguren hier noch sehr jung und unerfahren, was grundsätzlich nichts Schlechtes, aber ebenfalls eher für das Young Adult Genre charakteristisch ist. Das Buch ist somit auch für eine deutlich jüngere Zielgruppe als andere Liebesromane gut geeignet.

Sowohl Ella als auch Jae-yong sind dem Leser von Anfang an sympathisch, wobei man über Jae im ersten Band nur relativ wenig abseits seines Daseins als K-Pop-Star erfährt. Ella und ihre beiden Schwestern Mel und Liv lernt man wesentlich besser kennen und schließt alle drei Mädchen bzw. Frauen, die eine sehr enge Bindung zueinander haben, obwohl es gelegentlich zu Streitigkeiten kommt, sehr schnell ins Herz. Während Liv ein riesengroßer K-Pop-Fan ist, hat Ella keine Ahnung von koreanischen Bands und deshalb keinen Schimmer, wer vor ihr steht als sie Jae-yong das erste Mal begegnet. Dadurch können die zwei sich ganz unvoreingenommen kennenlernen, was vor allem bei Jae nicht mehr allzu häufig vorkommen dürfte, da er Fans auf der ganzen Welt hat.

Es macht Spaß den Figuren dabei zuzusehen, wie sie sich ungeachtet der Entfernung, die die meiste Zeit zwischen ihnen liegt, über Text-Nachrichten und Anrufe langsam näher kommen. Anne Pätzold nimmt sich viel Zeit, um die Gefühle zwischen ihnen nach und nach entstehen zu lassen, sodass man diese Entwicklung sehr gut nachvollziehen kann. Durch den Klappentext hat man der Protagonistin anfangs zwar das Wissen um Jaes Berühmtheit voraus, die Spannung mindert das jedoch nicht, weil man dem Moment gespannt entgegen fiebert, in dem Ella es herausfindet und sich der Frage stellen muss, welche Konsequenzen dieser Umstand für ihre Beziehung haben wird. Trotz der knapp vierhundert Seiten bzw. 570 Minuten hat man das Buch daher erstaunlich schnell gelesen/gehört.

Der einzige große Kritikpunkt ist der Umstand, dass man das Verhalten der Charaktere nicht immer nachvollziehen kann bzw. ihre Reaktionen zum Teil nicht genügend erklärt werden. So erschließt sich zum Beispiel nicht, warum sich eine Band auf dem Höhepunkt ihres Erfolges – also nicht etwa ganz am Anfang einer hoffnungsvollen Karriere – derartig viele Vorschriften, sogar hinsichtlich ihres Privatlebens, machen lässt, wenn sie sich doch jederzeit ein neues Label suchen könnten. Die Gründe dafür hätten also auf jeden Fall näher beleuchtet werden müssen. Für Unverständnis sorgt auch die spätere Unterschrift einer Figur unter einen Vertrag, der bei einem Verstoß sehr wahrscheinlich zum finanziellen Ruin führen würde, ohne dafür irgendeine Gegenleistung zu erhalten. In beiden Fällen würde dieser Umgang mit schwierigen Situationen besser zu noch leicht unter Druck zu setzenden Jugendlichen als zu selbstständigen Erwachsenen passen.

Die Handlung ist dafür durchgängig mitreißend und wird im letzten Viertel sogar noch richtig emotional. Am Ende erwartet den Leser schließlich ein ziemlich fieser Cliffhanger, nach dem man am liebsten sofort zum zweiten Band greifen möchte.

Außerdem ist When We Dream auch als Hörbuch zu empfehlen, denn die Sprecherin Leonie Landa haucht Ella Leben ein und schafft es so den Leser an die Geschichte zu fesseln. Sie liest den Roman so ansprechend vor, dass man bei der Fortsetzung gern wieder zum Hörbuch greifen wird.

Fazit

Mit When We Dream hat Anne Pätzold eine kurzweilige Liebesgeschichte mit sympathischen Charakteren geschrieben, die man schnell gelesen bzw. gehört hat, allerdings eher an ein Jugendbuch als an einen New Adult Roman erinnert.





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