Der Samstag begann für mich mit dem Round Table zum Thema Liebe auf den ersten Blick!?, moderiert von Kim Nina Ocker. In einem Punkt waren sich alle anwesenden Autorinnen einig: Sie bevorzugen es, wenn sich die Liebe zwischen den Charakteren langsam entwickelt, gern auch mit anfänglicher Hass-Liebe. Laura Kneidl liebt außerdem „Verarztungsszenen“, die könne man übrigens auch gut in Fantasy-Romane integrieren.
Danach ging es für mich weiter zur Verlagspräsentation von LYX. Diese fing mit einem Rückblick auf das vergangene Jahr sowie einem großen Dank an alle Leser und deren wertvolles Feedback an, bevor die Mitarbeiter uns die Highlights aus dem kommenden Programm vorstellten. Drei Titel haben es sofort auf meine Wunschliste geschafft: Trust von Kylie Scott, All in von Emma Scott und Wild Hearts von T.M. Frazier. Darüber hinaus verrieten die Mitarbeiterinnen, dass es im Frühjahr 2019 auch eine neue New Adult Reihe von Bianca Iosivoni geben wird.
Um 11:00 Uhr besuchte ich den Workshop Vom Lektor zum Leser: Wie kommt das Buch in die Buchhandlung?. Obwohl ich in der Vergangenheit mehrere Praktika in Verlagen absolviert und eine Zeit lang im Buchhandel gearbeitet habe, war dieser Einblick auch für mich sehr interessant. Nachdem der Lektor ein Buch gelesen und für gut befunden hat, stellt er es zunächst seinem Team vor, macht dann dem Autor/Agent/Originalverlag ein Angebot und plant ihn zeitlich ein. Nach diesem Schritt wird der Titel im größeren Rahmen vorgestellt, bei der internen Programmpräsentation sowie der Vertretertagung. Zum Schluss beginnt die konkrete Vorbereitung, d.h. der Titel muss in die Vorschau, auf die Website, in die diversen Shops und das Verzeichnis lieferbarer Bücher (VLB). Aufgrund der Masse an monatlichen Neuerscheinungen müssen die Buchhandlungen natürlich eine Auswahl treffen und entscheiden, welche Titel sie auf den Tischen und in den Regalen direkt in den Filialen anbieten. LYX macht es von diesen Vorbestellungen abhängig, ob ein Titel am Ende tatsächlich erscheint, denn bei unter 3.000 Bestellungen lohnt es sich für sie in der Regel nicht das Buch zu drucken. Dieser gesamte Prozess, vom Lesen des Manuskripts bis zum fertigen Buch im Laden, dauert bei LYX ungefähr 1,5 Jahre.
Anschließend machte ich mich auf den Weg zu dem Round Table Autoren: Wer sie sind und wie sie ticken mit Sarina Bowen, Lea Coplin, Bianca Iosivoni, Nicole Leclercq und Annie West. Letztere schreibe, weil sie selbst gern Liebesromane lese – und um sich vor der Hausarbeit zu drücken. Für Sarina Bowen sei man als Autor jemand, der die Welt beobachte und genau darüber schreibe sie dann. Bianca Iosivoni beschrieb Autoren als Menschen, die viel Kaffee bräuchten und etliche Stimmen im Kopf hätten. Für Nicole Leclercq sei es manchmal schwierig sich selbst Autorin zu nennen, da sie nicht vom Schreiben leben könne und daher einen anderen Vollzeitjob habe. Sarina Bowen fühle sich gelegentlich wie eine Hochstaplerin, obwohl sie ihr Geld allein mit dem Schreiben verdiene, weil sie immer fürchte, dass das nächste Buch dafür nicht mehr erfolgreich genug sein werde.
Annie West nahm sich zum ersten Mal als Autorin wahr, als sie eine Zusage von einem Verlag erhalten habe. Dieser Teil gehöre natürlich ebenfalls zum Job, sei aber nicht immer leicht. Eine der besten Sachen sei es von Lesern zu hören, dass sie ein Buch geliebt hätten, ebenso wie auf einer solchen Convention Zeit mit Menschen zu verbringen bzw. sich mit Menschen zu unterhalten, die das eigene Buch gelesen hätten. Für Nicole Leclercq sei es das schönste am Autoren-Dasein, wenn sie von einer völlig fremden Person eine Mail mit der Frage bekomme, wann ihr nächstes Buch erscheine.
In zeitlicher Hinsicht schreibe Nicole Leclercq am liebsten nach Mitternacht, wenn es nichts gebe, dass sie ablenken könne. Lea Coplin setze sich hingegen ein Tagesziel an Wörtern, das sie erreichen wolle, egal wie viele Stunden es dauere. Sarina Bowen belohne sich selbst jedes Mal mit einem kleinen Sticker oder Ähnlichem, wenn sie 1.000 Wörter geschrieben habe. Bianca Iosivoni schreibe vor allem morgens, bevor sie andere Dinge erledigen müsse oder abgelenkt werde.
Der erste Band der Sturmtochter Trilogie habe bisher am meisten Zeit in Anspruch genommen. Es sei ihre erste Idee gewesen, die sie allerdings nie beendet habe, bis sie vor ein paar Jahren erneut anfing daran zu arbeiten. Sie habe es daher komplett neu geschrieben, sodass sie für das Buch insgesamt etwa sechs Jahre gebraucht habe. Sarina Bowen habe die ersten drei Bände der True North Reihe in umgekehrter Reihenfolge geschrieben. Der zweite und dritte Band hätten sich nicht gut als Auftakt geeignet, darüber habe sie sich vorher aber keine Gedanken gemacht bzw. keinen Plan für die gesamt Reihe gehabt. Lea Coplin habe für ihr erstes Buch am längsten gebraucht, weil sie damals nebenbei noch Vollzeit gearbeitet habe.
Bianca Iosivoni gab zudem zu, dass in jedem Buch auch ein kleiner Teil des Autors stecke, selbst wenn die Geschichten als solche von fiktiven Charakteren handele, nicht von den Autoren. Das Gute sei aber, dass der Leser niemals wisse, welcher Teil das sei. Abschließend gestanden Bianca Iosivoni und Sarina Bowen, dass sie eines Tages gern einen Thriller schreiben würden.
Nach der einstündigen Mittagspause nahm ich dann an den englischsprachigen Blind Dates teil, was zu kurzen Gesprächen mit Amanda Bouchet, Nicole Leclercq, Brenda Hart und Susan Carlisle führte.
Darauf folgte die Verlagspräsentation von Ravensburger, die im kommenden Programm viele Titel veröffentlichen, die in Großbritannien spielen. Eines der präsentierten Highlights war natürlich Sturmtochter von Bianca Iosivoni, die daraufhin einige der realen Schauplätze aus Schottland vorstellte, die sie auf ihrer Recherchereise selbst besucht habe. Danach richtete der Verlag eine Live-Schaltung zu Elly Blake nach Kanada ein, damit die Autorin uns etwas über die Fortsetzung zu Fire & Frost erzählen konnte. Die Idee zu der Reihe sei ihr im Traum gekommen und die deutschen Cover seien ihre Favoriten. Aktuell arbeite sie noch am dritten Band, was danach komme, wisse sie jetzt noch nicht.
Im Anschluss an die halbstündige Lesung aus Verliere mich. Nicht. von Laura Kneidl, die dafür eine ihrer bevorzugten „Verarztungsszenen“ ausgewählt hatte, ließ ich den Tag mit einem der Spiele ausklingen, die ich wirklich nur empfehlen kann. Das vom LYX Verlag veranstaltete Klappentext-Bingo war extrem lustig und natürlich gab es auch einige tolle Preise zu gewinnen. Unsere Gruppe durfte zusammen mit Kim Nina Ocker spielen, die ihren Gewinn am Ende einer anderen Besucherin schenkte, damit sie nicht als einzige aus unserer Gruppe ohne Preis nach Hause gehen musste, was ich sehr nett von ihr fand. Einen unschönen Beigeschmack hinterließ es für mich aber irgendwie, dass ausgerechnet der Hauptgewinn an die Mitarbeiterin eines anderen Verlages ging, die aus beruflichen Gründen anwesend war.
Am Sonntag besuchte ich zuerst das Panel Vorfreude – Die Highlights für 2018/2019, eine gemeinsame Veranstaltung der Verlage Montlake Romance, LYX, be, dtv und Thienemann, die mit einer kurzen Zusammenfassung begann, wie ein Programm entsteht, wie die Bücher ausgewählt werden und wie viel Vorlauf es braucht, etc. Danach präsentierten die Verlage nacheinander verschiedene Highlights. Bei LYX sind mir Someone New von Laura Kneidl sowie Die letzte Königin von Emily R. King in Erinnerung geblieben, Thienemann machte mich neugierig auf Für immer und einen Herzschlag von Tamsin Murray und Das Ende ist erst der Anfang von Chandler Baker und dtv ließ Die Tausend Teile meines Herzens und Too Late, beide von Colleen Hoover, auf meine Wunschliste wandern.
Um 10:00 Uhr ging es für mich dann mit dem wunderbaren Workshop Ein Plan für die Liebe: So entsteht das LYX Programm von Ruza Kelava, der Programmleiterin des Verlages, weiter. Bei der Planung der nächsten Programme schaue sie zuerst, was im vorangegangenen Halbjahr gut gelaufen sei und wozu es Fortsetzungen gebe, die gegebenenfalls eingetaktet werden müssten. Außerdem achte sie auf eine ausgewogene Mischung in den jeweiligen Programmen, in denen zum Beispiel auch neue Titel bzw. Autoren nicht fehlen dürften. Im Mai 2018 sei man im Verlag gerade mit der Planung für das Frühjahr 2019 beschäftigt.
Verschoben werden würden Titel beispielsweise dann, wenn sich die Abgabe des Manuskripts aus verschiedenen Gründen verzögere. Das neue Datum müsse dann auch den diversen Shops gemeldet werden. Zurückgezogen werden würde ein Titel, wenn er im Buchhandel nicht genug Anklang finde. In der Regel würde man dann später einen zweiten Versuch mit einem neuen Design wagen. Ins reine eBook-Programm kämen die Titel, für die im Print-Programm nicht genug Platz sei. Ersteres sei flexibler, sodass man einen Titel auch kurzfristiger ins Programm nehmen könne. Abhängig sei dies von den Verkaufschancen bzw. der diesbezüglichen Prognose. Besonders erfolgversprechende Titel kämen ins Print-Programm, alle anderen bekämen eine Chance im eBook-Imprint. Es gebe sogar Titel, die aus Erfahrung fast ausschließlich als eBooks gelesen würden. Manchmal werde das Print-Exemplar auch nachgeschoben, wenn das Interesse am eBook entsprechend groß wäre, bei From Scratch sei das aber leider nicht der Fall gewesen.
Das Marketing orientiere sich an den Spitzen- sowie Schwerpunkttiteln und werde in Absprache mit der Abteilung ausgearbeitet. Serien könnten nur solange fortgesetzt werden, wie sich ausreichend Leser dafür finden ließen, denn ein Verlag müsse natürlich auch wirtschaftlich denken und wenigstens kostendeckend arbeiten. Special Editions werde es sicher noch einmal geben, jedoch nicht regelmäßig, damit sie auch etwas Besonderes bleiben. Hardcover gebe es so selten, weil die meisten Leser nicht so viel Geld dafür ausgeben wollten. Der Verlag achte grundsätzlich durchaus auf zusammenpassende Buchrücken, doch manchmal würden auch sie etwas übersehen und ihnen dadurch Fehler unterlaufen.
Hinsichtlich des Erscheinens der Bücher gebe es einen monatlichen Rhythmus, das konkrete Datum werde vom Vertrieb anhand der Auslieferungsdaten festgelegt. Strenge Erstverkaufstage werden vom Verlag festgelegt, in der Regel verzichte man wegen des hohen Aufwandes jedoch darauf. Die Lieferung von der Verlagsseite an die Händler erfolge meist früher, weil jeder Shop einen anderen Ablauf habe. Einige Händler würden sich darüber aufregen, wenn andere Händler das Buch eher erhalten oder verkaufen, manche regen sich dagegen auf, wenn das eBook vor der gedruckten Version erscheine.
Als „Schnellschuss“ werden kurzfristige Projekte bezeichnet, wie zum Beispiel das Bullet Journal Save the Memories. Die Idee zur Special Edition von Someone New sei ebenfalls so kurzfristig entstanden, dass es das Hardcover nicht mehr in die Vorschau geschafft habe. Mit der Vorschau sei der Verlag in der Regel drei Monate beschäftigt.
Als nächstes begab ich mich zur Verlagsrunde für Blogger, die ich in diesem Jahr ehrlicherweise ziemlich enttäuschend fand. Dass man dem Verlag nach der Rezension einen Beleglink zukommen lassen sollte, dürfte inzwischen wohl jedem bekannt sein. Ansonsten drehte sich das Gespräch die meiste Zeit um die DSGVO, was an sich noch okay gewesen wäre, doch leider waren einige der Informationen, die manche Verlagsmitarbeiter weitergaben, schlicht falsch und damit kein bisschen hilfreich, im Gegenteil.
Die letzte Veranstaltung vor der Mittagspause, nach der meine Freunde und ich uns auf die anschließende Signierstunde vorbereiteten, war für mich das Panel Klartext – Sexismus, Rassismus und Gewalt im Liebesroman. Aus meiner Sicht handelte es sich dabei vielleicht sogar um das beste Panel dieses Wochenendes, dabei kamen die Autorinnen im Endeffekt gar nicht dazu alle Themen zu diskutieren. Auch hier waren sich alle Teilnehmer einig, wenn Sexismus oder sexuelle Belästigung vorkämen, müsste dieses Verhalten zumindest mit Konsequenzen verbunden werden. Diese Themen dürften nicht verherrlicht werden oder als bloße Plot-Twists dienen. Wenn Einvernehmlichkeit bestehe, müsse das deutlich zum Ausdruck gebracht werden. Des Weiteren müsse man immer auf die Zielgruppe achten, für die das Buch gedacht sei. Als Autor trage man die Verantwortung dafür kein völlig falsches Bild von Beziehungen zu vermitteln, wobei man hier selbstverständlich auch auf den Kontext achten müsse.
Am Nachmittag folgte dann noch die große Signierstunde mit fast allen anwesenden Autoren. Aus der Vergangenheit habe ich jedoch gelernt, dass es einfacher ist bzw. schneller geht, sich die meisten Bücher bereits am Vortag zwischen den Veranstaltungen oder in der Mittagspause signieren zu lassen. Darüber hinaus kann man sich leider nicht darauf verlassen, dass alle Autoren die gesamten zwei Stunden an den Tischen sitzen bleiben, manche gehen einfach, sobald es keine Bücher mehr gibt, was ich immer sehr schade finde. Von Seiten des Veranstalters wird die Signierstunde aber immer sehr gut organisiert, da kann man sich gar nicht beklagen. Traurigerweise könnten sie wahrscheinlich selbst mit noch mehr Personal nicht vollständig verhindern, dass bestimmte Teilnehmer sich einfach dreist vordrängeln. Davon lasse ich mir diese wunderbare Convention jedoch nicht vermiesen.
Dieses Jahr findet die Veranstaltung am ersten Juniwochenende, wie immer in Berlin, statt und ich habe mein Ticket natürlich schon längst gekauft.



















Im Anschluss besuchte ich die Lesung von Akram El-Bahay aus Die Bibliothek der flüsternden Schatten – Bücherstadt. Die Ausschnitte waren für mich nichts Neues, da ich das Buch bereits gelesen habe, doch ich hatte gehofft, dass der Autor die Veranstaltung vielleicht auch nutzen würde, um ein paar Fragen zu beantworten. Das war leider nicht der Fall, allerdings konnte ich mir zumindest mein Buch nach der Lesung vom Autor signieren lassen.
Am Nachmittag hatte ich dann einen Termin bei Loewe, wo Carolin Grotjahn mir die Spitzentitel aus dem kommenden Herbstprogramm vorstellte – mit den entsprechenden Covern. Die genauen Titel und Erscheinungsdaten darf ich an dieser Stelle noch nicht nennen, aber ich darf euch verraten, worauf wir uns freuen können: Im Sommer dürfen wir uns zum Beispiel auf neue Romane von Ursula Poznanski, Mechthild Gläser und Stefanie Hasse freuen. Darüber hinaus hat Loewe die Rechte an The Savage Song von V.E. Schwab und Warcross von Marie Lu erworben und wird die Übersetzungen beider Titel bereits in diesem Herbst herausbringen, zusammen mit einem weiteren Buch von Karl Olsberg.
Im Oktober erscheint mit Gefährliche Freundinnen ein neuer Roman von Cat Clarke. Im gleichen Monat dürfen sich Fans von Marieke Nijkamp auf einen weiteren Roman der Autorin freuen: Nur in der Dunkelheit leuchten die Sterne. Außerdem erscheint mit Mortal Engines – Krieg der Städte der erste Teil der Neuauflage/-übersetzung der Steampunk-Tetralogie von Philip Reeve, der kürzlich von Peter Jackson verfilmt wurde und voraussichtlich im Dezember dieses Jahres in die deutschen Kinos kommen soll.
Am Freitag ließ ich es dann ein wenig ruhiger angehen und besuchte zunächst die Lesung von Adriana Popescu aus ihrem neuen Roman Mein Sommer auf dem Mond. Ich habe wirklich während der gesamten Lesung schmunzeln müssen und das nicht nur wegen der lustigen Sprüche der Autorin, sodass das Buch spätestens jetzt auf meiner Wunschliste steht.
Im August erscheint unter dem Titel Bienenkönigin ein interessanter Thriller von Claudia Praxmayer, in dem die Protagonistin mit Bienen kommunizieren kann. Im September erscheint mit Ash Princess das Fantasy-Debut von Laura Sebastian, das bisher bereits in zwölf Länder verkauft wurde. Im Oktober erscheint u.a. Jetzt ist alles, was wir haben von Amy Giles, ein realistischer Roman über häusliche Gewalt. Fans von Eva Siegmund dürfen sich im Dezember auf einen neuen Roman der Autorin freuen. H.O.M.E. – Das Erwachen soll in der Zukunft in Berlin spielen und Ähnlichkeiten mit Matrix aufweisen. Im Winter soll außerdem ein neues Buch über Elfen von Holly Black erscheinen.
Danach ging ich zurück in Halle 2 und gesellte mich in die schon jetzt ziemlich lange Schlange für die Signierstunde von Neal Shusterman – und dabei hatte die Lesung noch gar nicht richtig angefangen. Aus Erfahrung wusste ich jedoch, dass es besser war sich so früh wie möglich anzustellen, schließlich wollte ich mein Buch nicht umsonst mitgenommen haben und unsigniert wieder mit nach Hause nehmen. Ich weiß gar nicht mehr, wie lange ich tatsächlich in der Schlange stand, ein bis zwei Stunden werden es vielleicht gewesen sein, aber mit zahlreichen anderen Fans in der gleichen Situation mangelt es einem zum Glück nie an Gesprächsstoff.
Am Freitagabend las Elisabeth Herrmann im Foodkurt Leipzig aus ihrem neuen Jugendbuch Zartbittertod. Die Location war wirklich schön, auch wenn sie nur wenig Platz für Zuhörer bot, die Umgebungsgeräusche (klapperndes Geschirr, Gespräche anderer Gäste) waren allerdings ziemlich laut, weshalb es vielleicht besser gewesen wäre den Raum, in dem die Lesung stattfand, etwas mehr vom restlichen Lokal abzutrennen. Insgesamt war ich von der Veranstaltung aber ohnehin eher enttäuscht, was jedoch nicht an der Location oder den technischen Schwierigkeiten lag, aufgrund derer die Lesung erst knapp zwanzig Minuten später begann als eigentlich geplant. Vielmehr unterschied sich die Lesung leider kaum von den lediglich 30-minütigen Kurzlesungen auf der Messe und hatte nichts mit den deutlich längeren, abendlichen Lesungen gemein, wie ich sie gewohnt bin bzw. war.
Im Anschluss stellte Laura Kneidl ihren neuen Fantasyroman Herz aus Schatten vor. Das Buch spiele in Praha (= Prag), weil sie eine Stadt mit einer düsteren Aura gebraucht habe und einmal etwas Neues habe probieren wollen. Es gebe viele Monster in dem Buch, die sie selbst entworfen habe, orientiert an den vier apokalyptischen Reitern. Die Protagonistin könne diese Monster bändigen, das sei ihre besondere Gabe. Anfangs sei ihr das zu viel Verantwortung, später komme sie der damit verbundenen Verpflichtung jedoch nach, um ihre Stadt zu schützen. Außerdem enthalte das Buch eine verbotene Liebesgeschichte, schließlich sei ein Konflikt für den Spannungsaufbau notwendig gewesen. Es entwickle sich daher eine Beziehung zwischen der Protagonistin und einem Monster, das sich in einen Menschen verwandeln könne. Darüber hinaus gebe es in dem Buch viel Dunkelheit, die als Metapher für Depressionen stünde.
Zu guter Letzt sprach Tamara Bach über ihr neues Buch Mausmeer. Sie sei zwar seit 2003 im Geschäft, damals aber eher dort hineingestolpert, da sie sich sogar noch im Studium befunden habe. Der Literaturbetrieb sei damals noch nicht richtig bei ihr angekommen, daher könne sie auch nicht sagen, was sich seitdem alles verändert habe. Eine neue Veröffentlichung sei jedoch nach wie vor etwas Besonderes, trotz inzwischen zahlreicher Preise und Nominierungen. Beim Schreiben denke sie nicht an die Zielgruppe, sondern vor allem an die jeweiligen Figuren. Sie liebe es Dialoge zu schreiben und lese sich diese oft auch laut vor, um zu hören, ob sie stimmig klingen. Nach dem Schreiben sei sie allerdings „fertig mit den Figuren“, deshalb gebe es auch keine Fortsetzungen. Den Titel habe sie ihm Prinzip „geklaut“, dabei handele es sich nämlich um den Namen eines Angellochs/-weihers in dem Ort, aus dem sie komme. Außerdem habe sie offensichtlich einen Hang zu Komposita mit „M“. Ein Notizbuch habe sie immer dabei, vieles merke sie sich aber auch einfach.
Darauf folgte ein Spiel, bei dem zunächst zwei Teams aus je 4-5 Bloggern gegeneinander antraten, ehe dann die Mitglieder des Gewinner-Teams zu Konkurrenten wurden. Die Aufgabe bestand darin Titel aus einem der beiden Verlage zu erklären, zu zeichnen oder pantomimisch darzustellen, die von den restlichen Bloggern im Publikum erraten werden mussten. Dieses Spiel hat wirklich wahnsinnig viel Spaß gemacht, zumal einige Blogger wirklich ausgesprochen kreativ waren, was die „Erklärung“ betrifft, und man das Buch nicht unbedingt gelesen haben musste. Das können wir von mir aus nun jedes Jahr wiederholen!
Danach ging es für mich weiter in Halle 4 zum Stand von Piper, wo Stefanie Schmieg zwei anderen Bloggerinnen und mir ein paar Titel aus dem kommenden Programm vorstellte. Im August erscheint beispielsweise Ein Riss im Raum, die Fortsetzung zu Das Zeiträtsel von Madeleine L’Engle. Im September erscheint mit One Small Thing ein neuer Roman von Erin Watt, im Oktober folgt ein weiterer New Adult Roman von Jennifer L. Armentrout mit dem Titel The Dead List. Mit Legendary erscheint im September außerdem die Fortsetzung zu Caraval von Stephanie Garber. Fans von Abbi Glines dürfen sich im Januar 2019 auf Like a Memory – Liebe kennt kein Zurück freuen. Fans von Jennifer Estep dürfen sich im Oktober auf Hard Frost, den zweiten Teil der Mythos Academy Colorado, und im Dezember auf Spinnenglut, den elften Band der Elemental Assassin Reihe, freuen. Fans von Dan Wells können ab Januar 2019 Active Memory, den letzten Band der Mirador-Trilogie, lesen. Mein Highlight war jedoch die Ankündigung eines High Fantasy Auftakts von Laura Kneidl mit dem Titel Die Krone der Dunkelheit, der im Oktober dieses Jahres erscheint.
An die Zeit bis zur nächsten Veranstaltung habe ich, ehrlich gesagt, keinerlei Erinnerung mehr, daher mache ich jetzt einfach mit dem Bloggertreffen von dtv weiter, bei dem Stefanie Broller einer Vielzahl von Bloggern die Herbst-Highlights präsentierte: Im Juli erscheint mit Elian und Lira – Das wilde Herz der See das Debut von Alexandra Christo. Im September erscheint Wicker King von Kayla Ancrum. Im gleichen Monat erscheint Nichts zu verlieren. Außer uns. von Lea Coplin, ein Spin-Off zu Nichts ist gut. Ohne dich. . Die Autorin soll dieses Jahr auch zur Frankfurter Buchmesse kommen. Von Holly Bourne erscheint eine neue Trilogie – Spinster Girls. Der erste Band, Was ist schon normal? , soll im Juli 2018 erscheinen, der zweite Band, Was ist schon typisch Mädchen? , soll bereits im August 2018 folgen. Der dritte Band ist für Februar 2019 geplant. Auch Holly Bourne soll auf der diesjährigen Frankfurter Buchmesse zu Gast sein. Fans von The Hate U Give empfiehlt sie die neue Reihe von James Reynolds. Der Auftakt erscheint im August unter dem Titel Ghost, der zweite Band trägt den Titel Patina und soll im November 2018 folgen. Der Autor soll im September ebenfalls nach Deutschland kommen.
Zum Abschluss des Tages besuchte ich eine Veranstaltung, die ich schon seit Jahren gern einmal besuchen wollte, für die ich bis dahin jedoch nie die Zeit gefunden hatte: die Preisverleihung für den Ungewöhnlichsten Buchtitel des Jahres. Ich kann mir gar nicht erklären, warum die Verleihung so schlecht besucht war – vielleicht wegen der späten Uhrzeit? – ich habe mich nämlich bestens amüsiert. Ein Moderator stellte zunächst kurz die Jury vor und präsentierte dann die Shortlist-Titel, allerdings in umgekehrter Reihenfolge, also wie bei einem Countdown. Nach jedem Titel wurde dem Publikum eine Frage gestellt und wer sie als erstes richtig beantwortete, gewann ein Exemplar des Buches, in meinem Fall war dies Heftiges Umarmen im Eingangsbereich der Pension verboten. Am Ende folgte eine kurze Lesung aus dem Gewinnertitel Als Omma den Huren noch Taubensuppe kochte von Anna Basener, fantastisch gelesen von der Autorin selbst, mit Dialekt. Herrlich! Cover, Titel und Klappentext hätten mich nie angesprochen, aber der sehr amüsante Auszug aus dem Buch hat mir so gut gefallen, dass ich es anschließend auf die Wunschliste gesetzt habe.
Da Mona Kasten in diesem Jahr leider nicht zur LLC kommt, machte ich mich anschließend auf den Weg in Halle 4 zu ihrer Signierstunde am Stand von Bastei Lübbe. Die Schlange war schon eine knappe Stunde vor Beginn der Signierstunde extrem lang, aber die Zeit verging schneller als gedacht, wie gesagt, man findet bei so etwas eigentlich immer Gleichgesinnte, mit denen man plaudern kann.




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